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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 1-2 · p. 60

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 1-2
Article
Ein Hebräisches Institut
Date
1919-01-01
Page
60 (sequence 13)
Language
German
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6o E. M. Lipschütz: Ein Hebräisches Institut sich Verdienste um die hebräische Sprache erworben haben. Ob sich daraus eine Akademie der hebräischen Sprache entwickelt, soll der Zukunft überlassen werden. Das Verhältnis dieses Instituts zur Universität wird sich aus dem Aufbau der letztern ergeben, ob es ihr angegliedert wird oder nicht. Gerade bei der Lehrtätigkeit in vielen Fächern wird das Institut helfende und beratende Arbeit bei Schaffung der Terminologie zu leisten haben. Das Institut wird so wichtige Vorbereitungsarbeiten für den Lehrbetrieb der Universität noch vor der Gründung in Angriff nehmen. Erwähnt wurden schon die Aufgaben, die das Institut nach der sprachlichen Seite hin bei der Einrichtung der Verwaltung in Palästina haben wird. Deswegen erscheint mir die Gründung des hebräischen Instituts als eine der ersten wissenschaftlichen Anstalten, an deren Gründung man sofort schreiten muß. Die Mittel für seine Gründung und Erhaltung werden wohl die Kolonisationsbehörden bewilligen. Vielleicht werden sich Stiftungen zu diesem Zwecke finden. Wenn wir das Wiedererstehen unseres Volkes erleben, so ist die Verlebendigung der hebräischen Sprache ein wesentlicher Teil dieses größten Volkserlebnisses. Die wissenschaftliche Arbeit läßt sich nicht in Grenzen schließen. Vielleicht sollten dem hebräischen Institute sich solche Forschungsanstalten anschließen, die verwandte Gebiete bearbeiten. Es seien zwei erwähnt, deren baldige Gründung ebenfalls dringend ist. Die eine ist ein archäologisches Institut. Amerikaner, Deutsche, Franzosen hatten ihre archäologischen Anstalten in Jerusalem. Wir schämten uns, daß wir für die Erforschung des alten Palästina so wenig taten. Jüdische Gelder gruben bei allen Ausgrabungen mit, aber unter fremder Firma. Vor einigen Jahren entstand in Berlin eine jüdische Gesellschaft für Erforschung Palästinas. Gleichzeitig entstand ein solcher Verein in Palästina. Es wurde auch die Gründung eines archäologischen Instituts propagiert. Rothschild ließ Gräbungen in Jerusalem unternehmen, und es hieß, daß er die Gründung eines Museum in Jerusalem beabsichtige, vielleicht auch mit einem Forschungsinstitut Die Wissenschaft des Spatens hat in Palästina noch nicht recht gearbeitet. Besonders wurden bis heute alte jüdische Zentren überhaupt nicht ausgegraben, von einer oder zwei Ausnahmen abgesehen. Wir müssen trachten, daß diese Arbeit in unserer Hand zentralisiert wird, es gilt also schnell zu beginnen. Bei der Besiedlung können auch leicht nicht mehr gutzumachende Verluste vorkommen. Ein solches Institut muß darüber wachen. Die hebräische Archäologie ruhte bis heute zumeist in nichtjüdischen Händen. Wir bringen unsere Liebe zu unserer Vergangenheit mit, die bessere Kenntnis der talmudischen und rabbinischen Quellen und unsern Willen etwas zu leisten. Planmäßig soll das ganze Palästina erforscht werden und wir sollen die Arbeit leiten. Es ist eine Aufgabe der ganzen gesitteten Welt, sie wird die Mittel schaffen. Wir sollen rechtzeitig den Mittelpunkt schaffen, rechtzeitig heißt sofort. Auch diese Arbeit wird aufs neue Leben befruchtend wirken — sie soll uns helfen, zwischen ferner Vergangenheit und Gegenwart Brücken zu schlagen, unsern historischen Titel auf das Land aufzudecken, und die heutigen Menschen im Vaterlande zu verwurzeln. Eine wissenschaftliche Anstalt, deren Gründung nicht hinausgeschoben werden soll, ist auch ein folkloristisches Institut, weil das Forschungsobjekt,

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