Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Ein Hebräisches Institut
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 59 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Ein Hebräisches Institut 59 geknüpft sein würde, ein gewisses sprachliches Niveau zu wahren, und entzogen werden könnte, wenn die Zeitung andauernd grob gegen die Sprachgesetze verstößt. Das Urteil darüber stünde dem Institut zu. Von Zeit zu Zeit soll auch das Institut in seinen Veröffentlichungen fehlerhafte Redewendungen, einreißende Sprachfehler, fremde Satzbildungen als solche kennzeichnen. So soll über die Schönheit der Sprache gewacht werden. Das Institut soll auch die Mittel suchen, um größere Literaturpreise stiften zu können, bei deren Zuerkennung auch auf Schönheit der Sprache geachtet werden sollte. Wie die Literaturen aller kleinen Völker kann auch unsere Literatur ihre Schriftsteller schwer ernähren; es müßten an bedeutende Dichter Ehrengehälter ausgesetzt werden können, die es ihnen möglich machen sollten, der hebräischen Literatur zu leben. Selbstverständlich soll das Institut in seinen Veröffentlichungen sprachwissenschaftlicher und stilistischer Arbeiten auf dem Gebiete der Hebraistik und der Semitistik einen Mittelpunkt schaffen, in Serien von sprachwissenschaftlichen Werken all das sammeln, was schon auf diesem Gebiete in fremden Sprachen geschaffen wurde. Die Organisation des hebräischen Instituts müßte die eines Forschungsinstituts sein, dessen Mitglieder sich ihm ganz widmen und nicht etwa die Institutsarbeit im Nebenberuf betreiben. Ihnen sollen wissenschaftliche Hilfskräfte zur Seite stehen. Die Organisation des Instituts und der Arbeit, in Abteilungen, die Zahl der Hilfskräfte, die Stellung der führenden Mitglieder wird sich schon aus der Natur der Aufgaben ergeben. Es existieren schon ähnliche Institute in der Welt, man kann aus ihren Erfahrungen lernen: die Sekretariate der nationalen Akademien, die Redaktion des Thesaurus linquae latinae, die Redaktion des Grimmschen Wörterbuches der deutschen Sprache und Editionskommissionen an den Akademien. In Jerusalem hat schon im „Waad Halaschon" eine kleine akademische Körperschaft bestanden, der alle hervorragenden Hebraisten und einige Lehrer, die dort ansässig waren, angehörten (Vorsitzende: M. Pines, E. Ben-Jehuda, David Jellin). Als Mitglied dieser Körperschaft habe ich an der Arbeit teilgenommen. Trotz der sehr ernsten Hingabe der Mitglieder blieb ihre Arbeit unfruchtbar, weil sie im Nebenamt geleistet wurde und als kollegiale Arbeit langsam und schwerfällig war. In den Berichten des „Waad Halaschon'1 sind lauter sehr wertvolle Beiträge der Mitglieder, aber die eigentliche Arbeit wurde nur sehr langsam gefördert. Ich ziehe daraus den Schluß, daß die Arbeit des Instituts nicht kollegial organisiert sein soll. Nur für gewisse Arbeiten können die Mitglieder zur Beratung zusammentreten. Als Mitglieder denke ich mir zwei oder drei Sprachgelehrte und ebensoviel hervorragende Meister der Sprache — beide Kategorien womöglich aus dem Kreise derer, die selbst an der letzten Entwicklung der Sprache teil hatten. Die Besten sind für diese Arbeit gerade gut genug. Es ist höchste Zeit, denn schon ist deren Zahl sehr gering. Die wissenschaftlichen Helfer wird das Institut sich selbst in der Arbeit erziehen. Durch Förderung sollen auch geeignete Gelehrte herangebildet werden. Auch außenstehende Gelehrte werden sich an mancher seiner Arbeiten beteiligen. Ohne den Charakter des Instituts als einer wissenschaftlichen Arbeitsstätte zu verändern, können auch auswärtige Mitglieder ernannt werden. Es soll eine Ehrung derer sein, die als Sprachforscher oder als Schriftsteller und Dichter