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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 1-2 · p. 58

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 1-2
Article
Ein Hebräisches Institut
Date
1919-01-01
Page
58 (sequence 11)
Language
German
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58 E. M. Lipschütz: sondern auch eine erziehende sein. Der Stil der Schulbücher erfordert besondere Überwachung, weil von hier aus Fehler leicht eindringen und sich festsetzen. Im Lehrziel aller hebräischen Schulen, auch der Volksschulen, muß klar bestimmt werden, daß sie ihre Schüler zur vollen freien und korrekten Beherrschung der hebräischen Sprache bringen müssen. Die jungen Juden sollen in den Geist der hebräischen Sprache und ihrer Quellen eingeführt werden, es soll in ihnen eine sprachliche Sorgfalt und ein Gefühl für die Schönheiten unserer Sprache leben. Das Institut soll auch Schülerpreise für fehlerlose vorzügliche Behandlung der hebräischen Sprache in Aufsätzen stiften. Ganz systematisch sollten auch Lerngelegenheiten für die Erwachsenen geschaffen werden, an denen ihnen das Erlernen der hebräischen Sprache und die Fortbildung in ihr leicht gemacht wird. Ein gut organisiertes System von Kursen für Anfänger und Fortgeschrittenen soll überall, wo Juden einwandern und siedeln, geschaffen werden. In wenigen Wochen können selbst Anfänger jenen minimalen hebräischen Wortschatz sich aneignen, der ihnen ermöglicht, aus Umgang und Milieu durch Sprechen die Sprache zu erlernen. Bei diesem Sprechunterricht soll auf den hebräischen Wortschatz im Jüdisch-Deutschen und Jüdisch-Spanischen Gewicht gelegt werden, ihn ins hebräische Leben überzuführen, denn es ist so ein erheblicher Wortschatz mühelos gewonnen, und er hat den Vorzug, aus dem Leben zu fließen. Die meisten Juden haben aber auch ein nicht zu unterschätzendes hebräisches Wissen, sie sind nur nicht gewöhnt, es auch im Leben zu gebrauchen. Denen sollen Kurse helfen, das vorhandene Wissen zu heben. Die Diaspora sollte aber nicht erst warten, sondern schon vor dem Beginn der Wanderung auf die Vorbereitung im Hebräischen Wert legen. Die jüdisch-deutschen Zeitungen in Osteuropa könnten uns helfen, indem sie ihre Sprache mit hebräischen Wörtern stark durchsetzen und so lebendig machen. Allen, die die hebräische Sprache beherrschen, sollte Gelegenheit geboten werden, ihr Wissen zu vermehren, ihr Sprachgefühl zu steigern, ihren Zusammenhang mit der hebräischen Sprache zu stärken durch Vorträge, Literatur- und Sprachkurse, Veröffentlichungen aus dem Gebiete der Sprachwissenschaft — in populärer Weise —, Bibliotheken und Lesehallen. Von besonderer Wichtigkeit für die Entwicklung der Sprache ist aber die Lektüre, ihre Art und ihr Reichtum. Es müßte dafür gesorgt werden, daß jeder, der lesen will, auch Bücher finde. Unsere Literatur ist sehr groß, aber ihre Schätze sind nicht für jeden zugänglich. Aus jedem alten Buch könnte aber jeder für sich ein neues herauslesen, das für ihn geschrieben wäre. Ein anderer müßte nun die Auswahl treffen, die für verschiedene Bildungskreise sehr verschieden sein müßte. So würden einige Serien von Auswahlbänden aus der alten Literatur entstehen, die jedem das aus ihr bieten würden, was zu seiner Seele spricht. Aber auch Ausgaben neuer Literatur und sprachlich hochstehender Übersetzungen sollen der Sprachbildung des Volkes dienen. Es ist die erfolgreichste Art, die Sprache zu verbreiten. Den größten sprachlichen Einfluß zum Guten wie zum Schlechten hat die Zeitung, sie beeinflußt die Sprache der Massen. Man muß an ihre sprachliche Überwachung denken. Vielleicht wird manche Zeitung einen Korrektor annehmen, wenn man ihn ihr zur Verfügung stellt. Vielleicht könnte man an gesetzliche Maßnahmen in dieser Hinsicht denken, so daß die Konzession an die Bedingung

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