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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 1-2 · p. 55

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 1-2
Article
Ein Hebräisches Institut
Date
1919-01-01
Page
55 (sequence 8)
Language
German
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Ein Hebräisches Institut 55 Damit hängt die Frage einer festen Transkription für Fremdwörter zusammen*). Wenn wir es freilich durchführen könnten, daß vornehmlich mit Punktuation gedruckt würde, wäre die Frage vereinfacht, und es wäre ein Gewinn gerade für die Zeit der Sprachrenaissance. Daß das nicht geschieht, liegt hauptsächlich an der sehr erheblichen Erhöhung der Druckkosten. Eine Prämie aus öffentlichen Mitteln oder eine neu konstruierte Setzmaschine für punktierten hebräischen Druck würden vielleicht Abhilfe schaffen. So aber erfordert das richtige Lesen unpunktierter Texte eine nicht geringe Kenntnis der Sprache, und es fließen daraus Fehler in die Volkssprache**). Bei den Juden der Diaspora haben sich verschiedene Kursive entwickelt. Es scheint zwar, daß das Kursiv der Askenazim in seiner östlichen Gestalt sich durchsetzen wird. Vielleicht müßte aber auch das Hebräische Institut eingreifen, um eine einheitliche und zweckmäßige Kursiv zu bestimmen. Das Hebräische hat auch mehrere Aussprachen***), in Palästina fließen sie an einem Orte zusammen, so daß sie geradezu zu einem Verkehrshindernis v/erden und die Spracheinheit gefährden. Ihr Zusammenstoß an einem Orte läßt auch nicht den Vergleich mit Mundarten zu, welche ja immer nur in verschiedenen Landesteilen gelten. Auch sind die Unterschiede zwischen den Aussprachen sehr groß. In Palästina ist die Aussprache der Sefardim, wie sie in Jerusalem gelebt hat, zur Normalaussprache geworden. Hier hat bereits die Entwicklung ihr Wort gesprochen. Noch weigern sich manche Askenazim, noch sind auch die Jemeniten nicht ganz gefolgt, aber das ist eine Frage nur kurzer Zeit. In einem Gesetz, welches die hebräische Schulsprache für alle Schulen festsetzen wird, soll die erforderliche Gemeinaussprache mitinbegriffen werden. Es könnte die Aufgabe des Hebräischen Instituts sein, die Aussprache phonetisch genau zu bestimmen, wenn das noch nicht zu früh ist. Man wird aber über die Einheitlichkeit wachen müssen und Spaltungen nicht einreißen lassen dürfen. Die eigentlichste Aufgabe des Instituts wird wohl die Sammlung des hebräischen Wortschatzes sein. Man wird bei diesen Arbeiten von Ben Jehudas Werk ausgehen. Es wird für die Detailarbeiten von unschätzbarem Wert sein, daß man schon das Ganze überblicken kann. Die Lebendigkeit des Hebräischen wird durch nichts so sehr bewiesen als dadurch, daß seine Wörter eine sehr abwechslungsreiche Geschichte haben, welche ihren Gebrauch und ihre Bedeutung betreffen. Jede Sprachperiode hat einen andern Ausschnitt aus dem hebräischen Sprachschatz gehabt. Es gab auch immer *) Joseph Klausner, Die Transkription der Fremdwörter, Odessa 1912; Krauss, Lehnwörter, I 1898. Die talmudische Transkription ist maßgebend, es könnten aber auch die Werke über Namen im „Get" und der Gebrauch im Mittelalter herangezogen werden. Bei der Punktuation sei des Übelstandes erwähnt, daß langes a (Kamez) und kurzes ° (Kamez chatuf) ein und dasselbe Zeichen haben. Es sind Vorschläge gemacht worden, durch Änderung des Zeichens die beiden Vokale zu unterscheiden. Die Änderungen sind zumeist zu gering, um ansichtig zu sein, haben auch keine Aussicht, sich durchzusetzen. r* Seligman Baer hingegen hat in mehreren seiner Editionen das kurze o immer mit vorgesetztem Schwa versehen (gleich chataf kamec) und berief sich hierfür auf alte Manuskripte. Diese Reform wäre keine Neuerung und würde einem Übelstande abhelfen. Das *^ische Institut wäre dafür berufen. ) Mon. f. Gesch. u. Wiss. d. Jud. 1913, 527—545, 667—721; Z. Idelson, Die Aus- Prachen des Hebräischen, und meine Abhandlung im „Juden" 278.

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