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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 1-2 · p. 53

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 1-2
Article
Ein Hebräisches Institut
Date
1919-01-01
Page
53 (sequence 6)
Language
German
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Ein Hebräisches Institut 53 lernt und angeeignet. Bringt doch jeder Jude eine seelische Disposition für das Hebräische mit, und auch jeder gewisse Kenntnisse, und das hebräische Milieu tut das Seine dazu. Aber bei schnellem Erlernen wechselt man nur die Worte, behält aber den Gedankengang und Satzbau einer fremden Sprache. Der fremden Einflüsse werden viele sein. Ich möchte es betonen, daß gerade dieser Umstand die Gefahr vergrößert. Der Einfluß einer fremden Sprache könnte den Charakter der hebräischen Sprache merklich verändern, die vielen sich kreuzenden, gleichzeitigen Einflüsse können einer Sprache jeden Charakter nehmen, ihre innere Logik vernichten. Das ist die Gefahr der Jargonisierung. Nur wenige wissen, wie sehr wir über Fragen feinerer Struktur in allen lebendigen Sprachen im Zweifel sind. Im Hebräischen gewiß nicht minder. Wenn jemand von einer hebräischen Redewendung behauptet, sie sei russisch oder deutsch, jiddisch oder spaniolisch, so mag es ja sein, aber die Wendung kann schon auch hebräisch geworden sein, oder sie kann im Mittelalter eingedrungen sein und Bürgerrecht erworben haben. Es wird bei der kurzen Dauer der jüngsten Entwicklungsperiode des Hebräischen nicht wundernehmen, daß dessen Syntax nicht kodifiziert ist, aber der Mangel ist sehr fühlbar, in der Schule, bei der Selbstfortbildung, bei jeder Meinungsverschiedenheit zwischen Literaten und Redakteuren und Korrektoren. Es müssen Untersuchungen über syntaktische Erscheinungen in den verschiedenen Entwicklungsstufen angestellt werden, besonders über die daraufhin gar nicht untersuchten mittelalterlichen Perioden. An den hervorragendsten modernen Schriftstellern müßte die moderne hebräische Syntax festgestellt werden. Im einzelnen wird es ja nicht immer einfach sein, zu entscheiden, was aus den Normen der mittelalterlichen Sprachperioden usuell und dauernd geworden ist und was bloß zeitlich berechtigt war, ja von den heutigen Spracherscheinungen gilt dasselbe; was ist schon als Norm anzusprechen und was noch nicht? Fest steht für uns, daß die ganze biblische und mischnaitische Syntax noch in voller Geltung sind und bei der Lebendigkeit unseres Verhältnisses zu dieser Literatur auch wohl immer bleiben wird. Inwieweit man auch schon stilistische Probleme ästhetischer Natur in den Rahmen der Arbeit einbeziehen soll, kann man nicht voraussagen. Es gibt eine Reihe sehr brennender Fragen aus der modernen hebräischen Syntax, zum Beispiel die Frage des Gebrauchs der hebräischen Tempora im modernen Hebräischen im Verhältnis zum Wesen der semitischen Tempora, die Wortfolge bei Konditionalsätzen, die Anwendung der Partizipien, die Stellung des Verbs in Verbalsäteen am Anfange eines Absatzes, der Bau von Perioden, die neuhebräischen Präpositionen*). *) Als Beispiel sei das Problem der Konditionalsätze herausgegriffen: Das hebräische "erb hat kein Konditional, hingegen wird ein Konditionalsatz immer mit einem Bedingungswörtchen (z. B. lu) versehen, die Bedingung immer vorangestellt. Heute macht sich unter dem Einfluß der europäischen Sprachen die Neigung geltend, die Bedingung nachzustellen, 'das ist gewiß fehlerhaft. Aber im Gefolge dessen wird der Mangel eines Kondjtionalis stark empfunden und wird das Partizip mit Hilfsverb haja „sein" konstruiert und als Konditional empfunden und sogar für wollen und mögen angewendet. Diese Form hat noch im Mischnaitischen eine andere Funktion. Es war der Einfluß des Jiddischen, der sie zum Konditional machte. Kann dies schon als sprachrichtig gelten oder soll es bekämpft werden? Ich neige letzterer Annahme zu, weil es gegen den semitischen Geist der hebräischen Sprache ist. Begründen kann ich hier nicht

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