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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 1-2 · p. 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 1-2
Article
Ein Hebräisches Institut
Date
1919-01-01
Page
51 (sequence 4)
Language
German
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Ein Hebräisches Institut 51 Auskunft holen können. Es soll nicht der erste beste über Leben und Tod von Wörtern entscheiden. Auf die Privaten soll ja nicht Zwang geübt werden, Sprachkenner, aber auch Eigenbrötler werden ihre eigenen Wege gehen dürfen und vielleicht auch recht behalten. Das Institut wird selbstverständlich schon für diesen Auskunftsdienst allein einen Stab von Wissenschaftlern und Sprachmeistern organisieren müssen. An der hebräischen Philologie haben alle Völker mitgearbeitet und sie großgemacht. Es waren die ewigen hebräischen Schriften, welche die Forscher herbeiriefen, aber nur das alte Hebräisch hatte ihre Sorgfalt erfahren. Eine Wissenschaft des Neuhebräischen haben wir überhaupt noch nicht. Mit dem lebendigen Hebräisch, mit seiner letzten Phase hat man sich ganz und gar nicht wissenschaftlich befaßt. Diese Wissenschaft des Hebräischen als einer lebendigen Sprache muß erst geschaffen, die Gegenwart einbezogen werden. Die hebräische Philologie soll an der allgemeinen Sprachwissenschaft, an der Sprachpsychologie orientiert werden, was die Semitologie nur in geringem Maße getan hat. Die Arbeit, die hier der Forscher harrt, muß schon durch ihre Ausdehnung und Neuheit die besten Kräfte an sich ziehen. Noch ist das neueste Hebräisch nicht kodifiziert; wenn dies aber für die Formenlehre wegen der Geringfügigkeit der Unterschiede nicht viel bedeutet, ist es von großer Tragweite für die neuhebräische Syntax, deren Behandlung noch nicht in Angriff genommen wurde. Man ist auf sein Gefühl angewiesen, in zweifelhaften Fällen kann man nicht bestimmen, was sprachrichtig ist. Dies ist wohl der Hauptgrund, daß Spätlernende im Hebräischen zur vollen Beherrschung nicht gelangen können. Da das lebendige Hebräisch nirgends festgelegt ist, hat jeder seine Grammatik, jeder ist seine eigene Akademie. Vielen ist dieser Zustand recht, sie wollen diese Ungebundenheit nicht missen, nicht erwägend, daß das Wesen der Schriftsprache, der Kultursprache in ihrer Gesetzlichkeit liegt. Nur Idioten und Kretins — vielleicht auch manche Jargone — sind an Sprachgesetze und Sprachlogik nicht gebunden. Die Gesetzlichkeit der Sprache ist die Trägerin ihres Geistes, und nicht alles kann in jeder Sprache in derselben Weise gesagt werden, so gut wie ein Löwe nicht zum Hasen werden kann. Das Institut wird also an der Kodifikation der lebendigen hebräischen Sprache arbeiten. Es ist unsere Ehrenpflicht, daß es durch uns geschehen und nicht etwa wieder auf die Arbeit fremder warten soll. Wer die Kodifikation als endgültige Festlegung der hebräischen Sprache auffassen sollte und dies dem Institut als Aufgabe zuweisen wollte, der betrachtet wohl das Hebräische noch als tote Sprache und hat von seinem Leben keinen rechten Begriff. Das Hebräische ist wie jede lebendige Sprache in stetem Fluß begriffen und befindet sich wohl jetzt gerade in einem Stadium großer Wandlung. Trotz dieser Erkenntnis muß jede Periode einer Sprache ihre Gesetzmäßigkeit feststellen und auch beachten, nur so erwächst Sprachkultur. Im allgemeinen hat die Entwicklung im Hebräischen mehr die Wortwahl und den Bedeutungswandel beehrt als die Formen. In der Grammatik sind es hauptsächlich zwei Entwicklungsstufen, die sich in den Einfluß auf das lebendige Hebräisch teilen: die biblische und die mischnaitische Sprachstufe. Der grammatische Unterschied *st nicht sehr groß, speziell die Formen betreffend. Bei weitem nicht so groß wie zwischen Mittel- und Neuhochdeutch, höchstens etwa wie zwischen dem 4*

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