Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Um die Jugend
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 47 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Um die Jugend 47 zu sein, als bloße Konsumenten in der geschilderten reichlichen Weise befriedigt werden könntenDie sozialistische Wirtschaftsform soll solchen Reichtum ermöglichen: über Einzelheiten geht hier unser Autor glaubenssicher mit wenigen Worten hinweg. Wir möchten aber dennoch bei diesem nicht unwesentlichen Punkte etwas eingehender verweilen. Die Forderung nach gänzlicher Enthebung der Jugend von jeder wirtschaftlichen Funktion ist völlig verständlich in einer Zeit, die — wie das ganze kapitalistische XIX. Jahrhundert — die Kinderarbeit in der verruchtesten Weise mißbraucht und geschändet hat. In einem gesunden Kultur- und Wirtschaftsleben aber ist solche Arbeit völlig anders zu bewerten: es ist für die Kinder, etwa vom vierzehnten Lebensjahre ab, auf dem Lande sogar noch früher, durchaus natürlich, wenn sie einfache, stärkende, nicht anstrengende, nützliche Arbeit im organischen Zusammenhange mit dem Leben von Familie und Volk, sogar innerhalb des Rahmens der Schule, verrichten. Warum sollen die Kinder in einem echten sozialen Leben nicht etwa gelegentlich systematisch zu leichteren Arbeiten herangezogen und erzogen werden, die ihnen nur Freude und Förderung, dem Volke aber wirklichen Nutzen bringen können — etwa den einfachsten ihnen gemäßen Arbeiten im Garten: Säen, Setzen und Pflanzen von Gemüse, Pflücken von Früchten usf.? Gerade die sorgsame Verknüpfung von freier,. freudiger Kindheit und organischer allmählicher Einreihung in die große kommende Arbeitskultur der neuen Welt, gerade die allmähliche Überführung von Spiel in Werk, die allmähliche harmonische Verbindung von geistiger und körperlicher Arbeitsentwicklung sollte die dankbarste Aufgabe der künftigen Kinderpädagogik werden, sollte die neue Erziehung weit über den Wert der bisherigen hyperscholastischen europäischen Bildung emporheben. Und warum die hohe, wirtschaftlich unhaltbare Grenze von zwanzig Jahren, die im jüdischen Volksbewußtsein durchaus eine solche Rolle nicht spielt? Mit achtzehn schon hält die Volkstradition den Jugendlichen innerlich für fertig, den Mann für begonnen; die liebende Fürsorglichkeit der alten Weisen und Erzieher des jüdischen Volkes bestimmt für diese Zeit bereits die Ehefähigkeit des jungen Menschen und rät ihm eindringlich und mit bewußter religiöser Verachtung wirtschaftlicher Sorgen zu früher Ehe, wenn der Wirrsal der Leidenschaften ihn sonst auf unverantwortliche Abwege zu treiben droht. Und wenn auch die sozialen Verhältnisse, besonders im Westen, heute zu anderen Entscheidungen drängen: die Herabsetzung des vorzusehenden obligatorischen Erziehungsalters von zwanzig auf achtzehn Jahre würde schon wirtschaftlich für das Volk enorm viel bedeuten und notwendig sein — die Utopie wird wahrscheinlich erst dann nationalökonomisch überhaupt diskutierbar. Denn keine Illusionen vor allem: unser Volk m Erez-Israel wird natürlich in der ersten, gar nicht zu kurzen Zeit keineswegs „sehr reich", es wird da vielmehr unzweifelhaft noch sehr arm sein. Die große Aufgabe der ersten Generation ist nicht, wie in den bisherigen europäischen reformpädagogischen Anstalten: wie gewähren wir Kindern sehr reicher Eltern die mustergültigste Erziehung?, sondern: ^ie wird ein innerlich zur reinen Lebensgestaltung entschlossenes, aber zunächst noch materiell recht armes Volk seinen Kindern, seiner Jugend unterschiedslos die reinste und freieste Bildung geben können? Dies also ist das Problem. Nicht die Utopie für das gesamte Erziehungswerk einer reichlich begüterten Nation (wie heute etwa die amerikanische), genährt