Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Um die Jugend
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 48 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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48 £. M. Lipschütz: aus den Erfahrungen an der Reformschule reichlich begüterter Bürgerschichten, gilt es dem jüdischen Volke zu geben; sondern die Wirklichkeit einer restlos umfassenden, liebend opferreichen Erziehung der gesamten Volksjugend, vom zartesten Alter an bis zur Reife, trotz Armut und Entbehrung zumindest in den nächsten Jahrzehnten. Vielleicht wird die Lösung, ähnlich wie bisher in unserem Volke, nur auf erweiterter Grundlage, dahin versucht werden, daß jeder nach seinen besten Kräften zeitlebens Lernender und Lehrender bleiben wird: wie früher in der geistigen Überlieferung der Religion, so jetzt noch außerdem in fruchtbarer werktätiger Arbeit für das neue Werden des Volkstums. Gewiß werden einzelne Berufene und Berufenste noch ganz besondere Erzieher des Volkes und Erzieher der Jugend werden können und müssen. Aber jene Loslösung der Erziehung vom eigentlichen Leben und von der eigentlichen Arbeit, jene Loslösung der Bildung und des Unterrichts vom lebendigen Sein der Menschen untereinander, jene Zentralisierung der öffentlichen Schule in den Händen einer seelisch erstarrten, dienend unterdrückenden Bureaukratenschicht: solche Fehler hat das jüdische Volk bisher noch nie gekannt und wird sie auch wohl in der Zukunft zu vermeiden wissen, auch wenn aus höheren Gründen heraus sein gesamtes Erziehungswesen demnächst einheitlicher und umfassender wird gestaltet werden müssen, als dies in den letzten Jahrhunderten jemals wirksam werden konnte. In der ehern herannahenden Welt der Arbeit, in die unser Volk schöpferisch mittätig, werktätig mitschaffend, an den schon so alten Gaststätten wie in der neuen Heimat, eingeordnet werden soll und sich einordnen will, wird die innige Verbindung von Bildung und Leben, von Erziehung, Familie und Ehe, von Schule und Arbeit — wirklicher schöpferisch werktätiger Arbeit — die heranwachsenden jungen Menschen auf eine neue fruchtbare Basis innerhalb der umfassenderen Kultur der Gemeinschaft stellen. Von Eltern und Erziehern auf das sorgsamste bemessen, von jeder Überbürdung und Übertreibung streng ferngehalten, wird diese Arbeit der Jugendlichen für sich selbst und für das ganze Volk — niemals und unter keiner noch so versteckter Verkleidung für ausbeuterische Einzelne — die bisherige Hypertrophie des Geistigen und bloß Schulmäßigen in der Erziehung überwinden. Und erst so wird die Jugend unseres Volkes, den harten kommenden Lebenskampf dieses Volkes freudig stützend, wirklich mit zum Träger und Former einer neuen Kultur werden können. üngst habe ich in dieser Zeitschrift**) die Verlebendigung der hebräischen J Sprache und die ihr zugrunde liegenden gemeinpsychischen Vorgänge zu beschreiben versucht. Aus diesem Geschehen erwachsen aber auch Aufgaben und Pflichten für das jüdische Volk. Ganz neuartige Entwicklungen erfordern tiefen Einblick und eine gesamtheitliche Hingabe an die Sprache, auf daß sie ihr Wesen und ihre Eigenheit voll entfalten. *) Hacefira 1911 Nr. 175 schrieb ich einen kürzeren Artikel über dasselbe Thema. **) Der Jude, HL Jahrg. 5. und 6. Heft, „Vom lebendigen Hebräisch". Herman Glenn EIN HEBRÄISCHES INSTITUT*)