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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 1-2 · p. 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 1-2
Article
Die Erbpacht
Date
1919-01-01
Page
34 (sequence 10)
Language
German
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34 Nathan ben-Nathan: Chakirat bet awot, die zweite Form Arissat bet awot Der Unterschied bestand in der Art der Erbpachtzinsleistung. Der Choker zahlte einen ein für allemal bestimmten Erbpachtzins in Naturalien, während die Pacht des Ariss in bestimmten Quoten seines Ernteertrags geleistet wurde. Die Erbpacht war eine ewige, zeitlich unbeschränkte. So nennt der Talmud Jeruschalmi den Erbpächter : Choker leolam und Ariss leolam (während der Zeitpächter Choker leschaa und Ariss leschaa genannt wird). Die Erbpacht wurde von einer Familie übernommen und in der Familie weiter vererbt. Darauf deutet schon ihr Name hin. Dies war ein eigener Zug der jüdischen Erbpacht, daß der Boden nicht an einen Einzelnen (wie es bei der Erbpacht in andern Ländern üblich war, auf den Ältesten — Anerbenrecht der Erbpacht) überging, sondern daß er Gemeingut der Familie verblieb. Die Erbpächter hatten kein Eigentum an ihrem Boden. So durften sie keine Bikurim darbringen, denn sie können gar nicht sagen: Das Land, das du mir gegeben hast. Sie sind mit anderen Worten Erbpächter bei Erbpächtern des Ewigen. Aber auch die Verpächter dürften keine Bikurim bringen, denn ihnen fehlte der Besitz. Die jüdischen Erbpächter in Syrien waren auch von Maasser frei, falls der Vererbpächter Nichtjude war, was auch daraufhin schließen läßt, daß der Erbpächter kein Eigentum am Erbpachtboden hatte. Die Erbpacht war eine private Erbpacht, denn alle einschlägigen Stellen sprechen von privaten Vererbpächtern. Wie gesagt sind die Beziehungen zwischen dem Jobel und dem Chakirat bet awot zur Zeit noch nicht festzustellen. Aus allem Gesagten folgt, daß es sich bei der Erbpacht um eine vom Judentum aufgenommene oder im Judentum selbst entstandene und im Leben der Juden lange Zeit hindurch wirksam gewesene Institution handelt. Die Wege der Geschichte sind wunderbar. Das Volk kehrt in sein Land zurück. Und die Ersten, die den Traum der Rückkehr, der Erlösung zu träumen wagten, haben instinktiv auch nach den alten Institutionen Israels gegriffen, auf daß auch sie wieder die Grundlage Israels Aufbau in Erez Israel werden. Die Erbpacht — Chakirat bet awot — soll und wird auch die jüdische Form der jüdischen Bodenbesitzer in Palästina werden. Allerdings ist die Aufgabe, welche die Erbpacht in der Kolonisation Palästinas zu erfüllen hat, eine wesentlich andere als die Aufgabe, die ihr im Palästina des zweiten Tempels und der Mischnazeit zufiel. Sie soll uns die Schaffung einer Grundlage für die jüdische Gemeinschaft in Palästina ermöglichen. Einer Grundlage, die selbst wahrhaft jüdisch ist und die jüdische Entwicklung des Landes gewährleistet. Verschiedenartig sind die Probleme, die sich aus dieser engen Verknüpfung der Erbpacht mit den Aufgaben unserer Palästinaarbeit ergeben. Die Fragen, Zweifel und Probleme, die zu beantworten und zu lösen sind, lassen sich kurz in zwei Sätzen zusammenfassen. Erstens: Ist die Erbpacht wirklich die Form des Eigentums und des Besitzes, die imstande ist, die von uns angestrebte idealjüdische Struktur der Landwirtschaft zu schaffen? Mit anderen Worten: wie ist es um die Eignung der Erbpacht bestellt, den jüdisch-nationalen Besitz des Bodens zu sichern und seine Bewirtschaftung im Geiste der sozialen Gerechtigkeit zu bedingen? Zweitens: Sind die Voraussetzungen für eine günstige Einstellung unserer jüdischen Massen, vor allem derer des Ostens, in deren Psyche gegeben?

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