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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 12 · p. 579

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 12
Article
In Safed
Date
1918-01-01
Page
579 (sequence 6)
Language
German
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In Safed 579 wären krank. Als wir nun genauer nach ihren Wohnungen fragten, weil wir sie besuchen wollten, bekamen wir zuerst keine rechte Antwort, Eine große Verlegenheit lag auf den Mädchen. Bis dann eine losplatzte: die sind ja gar nicht krank, die sind ja im englischen Hospital, wer Weihnächten da ist, bekommt viele und schone Geschenke! Einen Augenblick standen wir wie versteinert da. Wir hatten unsere Mädchen doch schon vom Oktober an, fast drei Monate, waren die ganzen Tage mit ihnen zusammen, hatten soviel von der Mission gesprochen, von selber hatten sie schon die Mädchen aus ihrer Mitte gestoßen, die zu uns und zur Mission gingen. Sie grüßten die Mädchen von der Mission nicht mehr. Aber ihr Stimmengewirr zeigte uns doch, daß auch das nur äußerlich war. Daß alle, alle gern zur Mission gelaufen wären. Mit heller Begeisterung erzählten sie von den Kisten, die alljährlich aus London kamen, mit Wäsche, Kleidern, Mänteln, Tüchern. Wir haben uns die Sachen zeigen lassen, es war wirklich gute Ware. Und diesen ganzen Aufwand an Geld, Menschen und vielen anderen Opfern macht die englische Mission, um alle drei bis vier Jahr ein Judenkind zur Taufe zu bringen. Und nun zurück zu unsern Spitzenschulen. Gegen hundertunddreißig Mädchen und einige sephardische junge Frauen hatten sich eintragen lassen. Sie wurden zum nächsten Vormittag wiederbestellt. Da fand die große Augenuntersuchung statt. Das Trachom, das im ganzen Orient herrscht, machte das notwendig. Die sanitären Verhältnisse in Palästina sind derart, daß nur die wenigen Wohlhabenden diese ansteckende Krankheit durch langwierige Behandlung loswerden. Der größere Teil der Bevölkerung ist ihr einfach ausgeliefert. Es gibt keine Krankenkassen, für die Armen ist in keiner Weise gesorgt. Es hängt von der Güte des Arztes ab, ob er Arme umsonst behandeln will oder nicht. Wir hatten von vornherein in unserm Budget eine Summe für den Augenarzt ausgesetzt. Jeden Monat sollte er die ganze Gesellschaft untersuchen. Von den 130 Mädchen behielten wir nur gegen 90, bei den anderen war das Trachom zu weit vorgeschritten. Von diesen 90 waren ungefähr 20, die auch schon Anzeichen von Trachomhatten. Sie gingen auf Kosten der Schule jeden Tag zur Behandlung. Im übrigen saßen sie an einem Tisch für sich und hatten ihre besonderen Handtücher. Und dann kam der erste Arbeitstag. Um 8 Uhr sollten sie da sein. Aber es war noch nicht halb 7, als die ersten bereits erschienen, und kurz nach 7 war die ganze Gesellschaft beisammen. Und so blieb es auch. Der Eifer der Kinder, diese Gier nach dem Neuen, diese Freude, mit der sie das ihnen Dargebotene aufnahmen, schaffte uns an der Arbeit Befriedigung, war uns ein Ansporn, den Mädchen zu geben, was wir ihnen geben konnten. Die ersten Wochen waren sehr schwer. Welche Sprache sollten die Mädchen sprechen? Alles schwirrte durcheinander, englisch, französisch, arabisch, jiddisch. Nur einige wenige, die den hebräischen Kindergarten besucht hatten, sprachen hebräisch. Wir einigten uns auf Hebräisch. Um die Mädchen zu zwingen, hebräisch zu sprechen, bekamen sie jeden Tag eine Unterrichtsstunde und durften kein anderes Wort miteinander reden als hebräisch. Die Folge davon war, daß eine fast unheimliche Ruhe in dem großen Saale herrschte, ab und zu unterbrochen von hebräischen Liedern und dem Gemurmel der wenigen Mädchen, die hebräisch sprechen konnten. Die Mädchen wollten es zuerst nicht. Sie probierten -immer wieder ihre altgewohnten Sprachen, aber sie scheiterten an unserem Eigensinn.

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