Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 12
- Article
- In Safed
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 578 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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578 . Hadassah bath Mordechai: Saal bestand, der vorne in einen Balkon mündete und hinten unmittelbar auf den Hof hinausführte. Das Haus stand nämlich am Fuße eines Berges. Die Einrichtung war für hundert Mädchen berechnet Fünf lange Tische wurden gezimmert und hundert Stühle, ein Schreibtisch; ein paar'Dutzend Emailleschälchen zum Händewaschen, ein paar Dutzend Handtücher, ein Schrank für Stoffe und Garn, — und die Einrichtung war fertig. Und eines Tages hingen große Plakate in den Straßen: Frauen und Mädchen von vierzehn Jahren an wurden aufgefordert, sich als Spitzennäherinnen einzutragen. Und dann kamen sie. Größtenteils waren es sephardische Mädchen. Von den aschkenasischen kamen solche, die die französische oder englische Schule absolviert hatten. Aber aus den vornehmen Chalukahkreisen kam niemand. Und dann kamen einige, die in der Mission „arbeiteten**, d. h., nominell war ihnen ein Amt übertragen, eine mußte z. B. jeden Tag in der Schule Staub wischen, eine andere fegen. Dafür bekamen sie wöchentlich einen ziemlich hohen Lohn. Sie fragten sogleich, wieviel wir zahlen würden, und als sie hörten, daß sie vier Wochen lang nichts bekämen, weil sie doch erst die Arbeit erlernen mußten, und dann je nach ihrer Arbeit, da gingen sie wieder ihrer Wege zur Mission. Da brauchten sie fast nichts zu tun, hatten ihren Lohn und außerdem Geschenke. Die englische Mission war unsere stärkste Feindin. Die Engländer geben für die Mission massenhaft Geld. In einer so kleinen Stadt wie Safed hatten sie eine Knaben- und Mädchenschule und ein großes Hospital, das einzige am Platze. Über den Eingangstoren waren Sprüche aus Jesaja in hebräischen Lettern angebracht, die Lehrerinnen sprachen Jiddisch und Hebräisch, und der Direktor war ein ehemaliger jüdischer Chederjunge aus Rußland. Er war mit 14 Jahren nach Safed gekommen, lebte einige Zeit von den Almosen der jüdischen Gemeinden, bis die Mission sich seiner annahm. Er wurde dann nach London geschickt, getauft und kehrte als1 Missionsprediger nach Safed zurück, um den Leuten zu zeigen, wie gut es ihm ginge, seitdem er sich in den Schutz der Mission begeben habe. In Safed baute er sich an einer der schönsten Stellen ein großes Haus mit herrlichen Parkanlagen. Am Sabbathnachmittag.war dieser Park der beliebteste Aufenthalt für die Juden. Aber nur sie durften hinein. Arabern war der Eintritt versagt. Auch hatte er eine große Dienerschaft, und seine Schwester, die er ebenfalls veranlaßt hatte, nach London zu gehen, kam dann als englische Lehrerin zu ihm. Und diese beiden leiteten die ganze Mission in Safed; zogen ein Geschlecht heran, das ihre Wohltaten annahm, zu allem Ja und Amen sagte, solange man unter ihren Augen war. In Wirklichkeit aber lachten und spotteten alle über diesen „Meschummed" und seine Schwester. Sie schrieben an seine Türen „Meschummed, du kommst in die Hölle". Machten sich lustig darüber, wenn ein Junge, der Barmizwah wurde, einen Tefillinbeutel geschenkt bekam, auf dem auf der einen Seite ein Mogendowid und auf der anderen ein Kreuz gestickt war. In der Stunde waren sie damit einverstanden, als ihnen erklärt wurde, daß das die Vereinigung des Christentums mit dem Judentum bedeute, und daß die Juden dazu kommen müßten, Christus anzuerkennen. In der Stunde wagte niemand, ein Wort dagegen zu sagen. Aber sobald sie nur auf der Straße waren, erzählten sie davon mit Hohngelächter, zeigten ihn überall herum, und sowie sie zu Hause waren, wurde er verbrannt. Solcher Beispiele gibt es ungezählte, nur noch dies eine. Kurz vor Weihnachten fehlten einige Mädchen. Wir erkundigten uns, und zaghaft kam es heraus, sie