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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 12 · p. 561

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 12
Article
Die Bedeutung der Erbpacht für den Neuaufbau Palästinas
Date
1918-01-01
Page
561 (sequence 7)
Language
German
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Die Bedeutung der Erbpacht für den Neuaufbau Palästinas Landkäufe durch Private erfolgen werden; im Gegenteil, diese werden, aller Voraussicht nach durch Organisationen, vor allem der zionistischen, erfolgen müssen. Zunächst sind die Ländereien der Araber — weil in Gemengelage — im allgemeinen nur zu großen Komplexen verkaufbar, so daß ein Einzelner sie fast niemals erstehen kann, weil er nicht die Möglichkeit besitzt, einen solch großen Landbesitz zu verwerten. Es handelt sich fast stets um mehrere ioooo Dunam. Ohne eine Organisation, die das Gebiet für einzelne Teilnehmer erwirbt, ist also schon aus diesem Grunde ein Landerwerb nur in den seltensten Fällen denkbar, und wird fast völlig dadurch zur Unmöglichkeit gemacht, daß kleine Landparzellen höchst selten anders als weitab von den jüdischen Kolonien käuflich zu erwerben sind. Der Jude jedoch — und eben ganz besonders derjenige, der landwirtschaftlich tätig zu sein gedenkt — will sich nicht, wie der amerikanische Farmer ferfiab von jeder menschlichen Gemeinschaft begeben, und so kennt die gesamte jüdische Kolonisationsgeschichte kaum einen einzigen Fall eines derartigen Privatkaufs. Die kulturellen Bedürfnisse hindern den Juden daran, und er ist mit den Verhältnisssn des Landes nicht vertraut genug, um ein derartiges Experiment wagen zu können. Ein großer Teil der für die Bewirtschaftung in Betracht kommenden Juden kommt aus anderen Berufen, muß also erst völlig landwirtschaftlich ausgebildet werden; aber auch diejenigen, die bereits landwirtschaftlich tätig waren, bedürfen noch landwirtschaftlicher Schulung, da eben die Bodenverhältnisse Palästinas einen ganz besonderen Charakter besitzen und andersartige Arbeit verlangen. Auch diese Schulung fällt in das Gebiet der Organisation, so daß ihre Macht gerade durch die Neuartigkeit der palästinensischen Verhältnisse eine wesentliche Steigerung erfährt. In anderem Zusammenhange (siehe „Der Jude", 3. Jahrgang 4. Heft) konnte ich feststellen, wie gering. die Erträge der arabischen Wirtschaft im Vergleich z. B. zur europäischen waren> daß sie jedoch dem Araber noch sein — wenn auch niedriges — Existenzminimum gewährleisteten. Die Gründe dafür sind u. a. in dem Mangel an jeglicher Düngung zu sehen, so daß durch die arabische Wirtschaft der Boden immer mehr ausgesogen wurde. Wenn der Boden in jüdische — europäische —Hände übergehen soll, für die die primitive Bewirtschaftung des Fellachen eine Unmöglichkeit bedeutet, so bedarf es jahrelanger Vorarbeiten, um bei europäischer Technik auf dem Boden eine privatwirtschaftliche Rentabilität herauszuwirtschaften. Es hat sich bislang noch bei allen Kolonien gezeigt, daß in dem ersten Jahre die Besitzer ganz und gar nicht auf die Kosten kommen. Ruppin, der Leiter des Palästina-Amts, schrieb darüber*): „Die Erfahrung hat mich inzwischen belehrt, daß die Okkupation neuen Bodens in Palästina soviel faux frais mit sich bringt, daß in dem ersten Jahre eine Rentabilität ausgeschlossen ist." Und derselben Ansicht ist Kaplansky in einer nicht im Buchhandel erschienenen Denkschrift über den Jüdischen Nationalfonds: „Es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß es eine völlige Verkennung der Bedingungen unserer Siedelungsarbeit in Palästina bedeutet, wenn man von einem auf Getreidewirtschaft beruhenden Betrieb sofortige Rentabilität erwartet. Die Tatsache wird allzu oft übersehen, daß der Boden von *) Zionistische Kolonisationspolitik, Berlin 1914.

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