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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 531

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Entgegnung
Date
1918-01-01
Page
531 (sequence 3)
Language
German
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Entgegnung fasse, obwohl er fraglos Ausfluß eines Gruppengeistes ist - diese Gruppe scheint mir zu fest mit der ganzen heutigen Oberfläche des Erkennens und des Lebens verhaftet, als daß ich ihn zum Anlaß solcher eingehenden und umfangreichen Scheidungen nehmen möchte. Vielleicht werden sie eines Tages nötig sein, wenn mehr Zeit dafür ist. Wahr und falsch: selten findet man sie in engerem Verein als hier; Vordersätze enthalten oft Wirklichkeit, Nachsätze deren Fratze. „Es ist sehr bezeichnend, daß alle politischen Ideen der Juden vom Gemeinschaftserlebnis nicht loskommen" — ausgezeichnet; „die Organisationen, diesiepostulieren" — hier steht dies Wort, und schon ist der Satz gefälscht, denn nicht Organisationen, sondern Gemeinschaften werden postuliert —, „sind außerstaatliche" — ganz gewiß; die staatenbildende Kraft der Juden ist stets gleich Null gewesen, weil sie nicht die Idee des Zwanges, sondern die der Freiwilligkeit ihrem politischen Erlebnis zugrunde gelegt fanden, die des gleichen Wollens, der gleichen Richtung, welche Vergangenheit („der ich dich aus dem Lande Ägypten herausgeführt habe") und Zukunft mit umfaßt („ich werde dich in ein Land bringen, welches du besitzen sollst, du und deine fernsten Geschlechter" — dieser Satz läutert sich im Laufe des Judentums bis zum Messianismus) — „echte Genossenschaften", — und alles Wahre hört auf, wahr zu sein, weil von Genossenschaft, Befehl zum Liebeswerk und ähnlichen Konstruktionen einfach keine Rede ist; die jüdische Gemeinschaft bleibt Gemeinschaft, ja sie entartet nie zur Organisation, sondern zur Gemeinde im modernen Sinne, bei der Freiwilligkeit immer und überall Quelle aller Vorzüge und aller Fehler dieses soziologischen Gegenstandes ist. 4- „Der Staatsgedanke ist unjüdisch" — ohne Zweifel. Und je heftiger er auf Organisation basiert, das heißt auf der durch Drohung, bei völliger Vernachlässigung der Seele und ihrer ewigen Rechte auf Freiheit und Zustimmung, erzwungenen Einpressung von Menschen in einen Mechanismus, der den Menschen zur puren Funktion erniedrigt und am liebsten von ihm nichts mehr übrig lassen möchte als Funktion, um so unjüdischer ist er. Die großen Reiche des Orients, das Imperium Romanum, der moderne kapitalistische und imperialistische Staat — das sind Verfeinerungen eines und desselben Prinzips, welches sagt: Macht schafft Recht und ist ohne Grenze. Und wenn die Methode der blutigen Macht auch abgelöst wird von der der wirtschaftlichen Macht: der Trust ist ebenso antijüdisch wie die römische Wölfin. Nein, er ist antijüdischer, denn er erfaßt den Menschen immer restloser und entmenscht ihn völlig. Die göttliche Freiheit seiner Zuwendung, der Billigung und Mißbilligung, erstickt durch vorgeschriebene, eingehämmerte Preßsuggestionen; die zur Betrachtung, Vertiefung und Reinigung unumgängliche nötige Muße ausgefüllt durch Erholung, Zerstreuung und Bildung — verzichten wir auf diesen Ausblick und wenden wir uns zu Kayser. „Der Staatsgedanke ist unjüdisch; das schließt natürlich nicht aus, daß das Judentum in den modernen europäischen Staaten seine wichtigsten Aufgaben suchen muß. .." Woher der Nachsatz, der so plötzlich aus allen Geleisen springt? Hier meldet sich das logische Gewissen des Denkenden und wird überschrieen. Ja, ja, dreimal ja: es bedeutet ursprünglich, daß in den modernen europäischen Staaten, wie sie zur Zeit der Abfassung jenes Artikels noch überall bestanden, das Judentum gegen all seine

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