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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 528

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Der neue Bund
Date
1918-01-01
Page
528 (sequence 6)
Language
German
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528 Rudolf Kayser: Der neue Bund halb will der Neue Bund mit verschiedensten Mitteln die jüdische Mission deutlich machen und die europäische Judenheit zu ihr erziehen. Hiervon erhofft er gleichzeitig eine Verstärkung des Eigenbewußtseins der Juden, so daß die Gefahr des Aussterbens verschwindet, und den Zusammenschluß zur Bekämpfung und Vernichtung des Antisemitismus. Die Aufgaben würden mannigfaltig sein. Sie sind letzten Endes bestimmt durch die Gebote der Zeit. Gerade die kommende Friedenszeit wird, nachdem durch den Krieg der Bankerott der kleinlichen Rechenkunst sogenannter „Realpolitik" erwiesen ward, Taten verlangen, die ethisch und praktisch zugleich sind, im Juden also ihren geborenen Vollbringer haben. Die Internationalität der Juden oder besser: ihr Europäertum, das aber Liebe und Bindung an die Vaterländer nicht ausschließt, muß sich mit größerer Intensität in einer Zukunft entfalten, die (trotz der nationalistischen Hetzer aller Länder) eine europäische sein wird und europäische Politik treiben muß. Europäische Politik: das aber ist auch jede wirklich jüdische Politik; denn sie stellt über Nutzen und Prestige der Staaten das Prestige der Menschheit. Schließen wir also den neuen Bund: mit uns und Gott, zwischen dem Volk und der (in seinen edelsten Vertretern lebendigen) geistigen Gemeinschaft, zwischen Judentum und der europäischen Realität. Er bedarf der Organisation und Methoden, des Hauptes und der Glieder. Er braucht Gesetze, die die Aufgaben regeln und die Kräfte verteilen, und der Anstalten, die diese Kräfte formen und auf ihre Objekte weisen. So ist die erste Aufgabe des Neuen Bundes: die pädagogische. Aus den Verfälschungen des Assimilantentums gilt es, die Judenheit zum Judentum zu emanzipieren, die neue Mission in möglichst allen Schichten lebendig zu machen. Mit allen Mitteln, gelehrten und künstlerischen, feinen und groben, muß erreicht werden, daß die Juden sich wieder um ihre Mitte kristallisieren, ihre Gemeinschaft genossenschaftlich vollbringen. Diese Mittel: Herausgabe und große Verbreitung jener Schriften (Propheten, Talmud, Maimonides, Mendelssohn . .), die die jüdische Gemeinschaft am stärksten verkünden; Gründung einer jüdischen Akademie, die alles andere als Rabbinerseminar das jüdische Schöpfertum auf allen Gebieten darstellen soll und in ihren Lehrern — Propheten und Piatonikern, nicht „Fachgelehrten" — die neuen Aufgaben nennt; Umgestaltung des Religionsunterrichts zur Erkenntnis der jüdischen Gemeinschaft; Streitschriften und Zeitungen gleichen Sinnes; Heime und Siedelungen . ., Eine Generation, die solche Schulung erfuhr, wird in allen Lagen wissen, wohin sie sich entscheiden muß. Öffentliche Ereignisse und Fragen werden die Juden nicht mehr so hilflos finden, ihre Stellungnahme nicht mehr abhängig machen von minderwertigen, ungeistigen Determinanten: die Juden treiben geistige Politik. Das ist die zweite Aufgabe des Bundes. Diese Politik wird jüdisch sein natürlich nicht im Sinne des Zionismus, der territorial-politische Erfolge erstrebt; sie ist jüdisch in ihrer Verhaltungsweise und ihren Entschlüssen. Sie wird in allen Angelegenheiten der Vaterländer den Geboten ihrer Gemeinschaft gehorchen: ethisch und praktisch verfahren, im Sinne jenes praktischen Idealismus, wie er noch im armseligsten Juden lebt. Die politische Abteilung des Bundes wird ihre Stimme erheben bei allen Gelegenheiten, die das jüdische Gewissen (positiv oder negativ) wachrütteln. Damit wird sie auch jene offizielle Vertretung der Juden sein, die wir nun einmal dem Staate gegenüber

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