Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der neue Bund
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 529 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Arnold Zweig: Entgegnung 529 brauchen und die für eine priesterlose Religionsgesellschaft nie eine Kirche sein kann. Hiermit hängt die dritte Aufgabe des Bundes zusammen. Treten die Juden ins politische Leben, so muß die Öffentlichkeit ein klares und wahres Bild von ihnen besitzen. Darum muß der Bund für Aufklärung sorgen; nicht damit Christen zum Judentum übertreten, sondern damit brüderliche Kooperation möglich ist. Das bedeutet natürlich auch intensive Bekämpfung des Antisemitismus. Die Mittel dieser Aufklärung: Bücher, Zeitungen, Flugschriften, Vorträge, Films,.. Dies sind nur die wichtigsten Aufgaben; andere (praktisch-speziale) schließen sich an, die sich mit wirtschaftlichen, Bevölkerungs- und sozialpolitischen Dingen befassen. Der Bund wird in allen Ländern nach Kriegsende gegründet werden. Die verschiedene Lage der Juden in den einzelnen Staaten macht diese Einzelbünde nötig, die aber zusammengeschlossen werden in einem allgemeinen Bund. Er ist der wahrhafte jüdische Staat und die jüdische Heimat: aufsteigend aus den Vaterländern, sie überwölbend durch die strahlende Kuppel des Geistes. Er allein ist die echte Alliance israelite universelle, da ihm „alliance" und „universelle" die Grundeigenschaften Israels bedeuten. Der Neue Bund wird alle die zum Sprechen und Überzeugen veranlassen, die jüdischen Geist in Politik, Wissenschaft, Kunst zum Ausdruck bringen. Er wird die Phalanx der Juden ^sein, die von ihrer Gemeinschaft und ihrem Ethos beseelt, doch gute Europäer sind. Er ist nicht Abkehr, sondern Hinkehr zu jenen christlichen Kameraden, die auch wie er frei, geistig, verantwortlich denken. Doch der neue Bund wird ihnen sagen: daß die Juden sich entdeckten als Wert und Notwendigkeit. Freudig und stolz nennt er die Juden: Juden. Vielleicht wird von allen Wundern, die der Bund vollbringen wird, dies das größte sein: daß die Juden sich zu ihrer Gemeinschaft als etwas Aktuell-Wertvollem bekennen. Durch den erweiterten (internationalen) Bund geschieht auch die Regelung der „Judenfragen" aller Länder. Er wird aus seiner Mitte eine Versammlung wählen, die das von allen Staaten anerkannte Judenparlament ist. Dies wird für die Rechte der Juden eintreten und den Antisemitismus bekämpfen und erschlagen; auch dadurch, daß es bewirkt, daß in keinem Lande mehr die Juden sich wirtschaftlich (als Klasse) isolieren. Der „Neue Bund" wird die Erlösung der Judenheit von allen ihren Krankheiten bedeuten: Hilflosigkeit, Unmut, Erstarrung, Flucht und Gelächter. Der Messiasglaube aber wird stark und hell erwachen, das „Jahwe-Werk" neu begonnen werden. Charlottenburg Rudolf Kayser ENTGEGNUNG 1. Unerfindlich ist, warum sich ein Mann durch sein eigenes Motto widerlegen läßt. R. Kayser zitiert den Jeremjahu, der da sagt: „Ich lege mein^uesetz in ihr Inneres und schreibe es ihnen ins Herz, und so will ich ihr Gott sein und sie seien mein Volk." Die Entwickelung der Inhalte dieses