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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 527

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Der neue Bund
Date
1918-01-01
Page
527 (sequence 5)
Language
German
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Der neue Bund --—-__S?7 die Verbundung. Ihr Charakter ist das gemeinsame Handeln. Sie will die Kraft der Gemeinschaft auf ein Ziel richten, das allen sichtbar ist. Wie einst der alte Bund mit Gott, so will auch die jüdische Genossenschaft der Diaspora das „Jahwe-Werk" vollbringen. Es gilt, den neuen Bund zu schließen: das ist die Lösung des jüdischen Problems. Wie einst der alte Bund wird auch der neue die jüdische Gemeinschaft mit Gott belasten: sie wird sich den Befehlen des Geistes fügen. „Wer aber zu mir seine Zuflucht nimmt, wird das Land erobern und meinen heiligen Berg in Besitz nehmen! Und so sagt er dann: Macht Bahn, macht Bahn! Richtet her den Weg!" (Jesaja 57, 13—14«) Des Bundes Mission wird sein: mit allen, die gleichen Willens sind, die Zeit des Messias vorzubereiten. Scheint euch der Jude dazu zu verächtlich? Der Talmud (Sanhedrin 98a) malt den Messias mit allem Leid und aller Schmach des jüdischen Volkes, einsam und arm unter den Ärmsten: vor den Toren des prassenden Roms sitzt er unerkannt unter den Kranken und dient ihnen, indem er sie verbindet. Was die Naivität der Alten als eine Person auffaßte, sollte es nicht unser Schicksal sein? Einmal unseres Wesens und unserer Mission bewußt, werden wir die Welt zwingen, den Messias zu gebären. Die jüdische Genossenschaft, der neue Bund, ist nicht des Glaubens, allein die Welt zu erlösen. Doch der Bund will der Gemeinschaft der Juden und ihrem eurasiatischen Dasein Aufgaben geben, die ihrem innersten Wesen entstammen und im Messias enden. Er macht die Judenheit wieder zum Judentum. Er ist die Form, in dem unser jüdisches Wesen sich Geltung verschafft, die Methode unseres sittlichen Wollens. Die Genossenschaft der Juden, verbunden durch ethische Gemeinschaft und psychische Artung, den Bück gerichtet auf das diesseitige Leben: das ist der neue Bund. Manches deutet auf sein Kommen. In allen Richtungen und Parteien der Juden spürt man in dieser Zeit nationaler Überhitzung auch das eigene Wesen. Vor kurzem kam die erfreuliche Nachricht, daß sämtliche jüdischen Vereine in Deutschland zu einer Zentralorganisation sich zusammengeschlossen haben. Das bedeutet natürlich noch lange nicht die Erfüllung unserer Wünsche, doch die Aussicht auf fruchtbare praktische Arbeit. Wer soll den Bund bilden? Alle, die sich der europäisch-jüdischen Mission bewußt sind. Das dürften wohl nur Westjuden sein. Denn bei den Ostjuden besteht Nation noch im alten (physischen) Sinn: im bloßen Getrenntsein von anderen Nationen durch Raum, Sprache und Sitten; ihre ungünstige wirtschaftliche und kulturelle Lage dürfte auch die russische Revolution für absehbare Zeit nicht ändern. Deshalb ist für den Osten der Judenstaat vielleicht eine Notwendigkeit politischer Hygiene; für die gesamte Judenheit käme ihm dann die Bedeutung einer sichtbaren Substanz zu, eines auch den entferntesten Brüdern strahlenden Symbols. Der neue Bund wäre also ein vorwiegend westjüdischer. Sein Ziel würde sein: alle diejenigen zu sammeln, denen ihr Judentum weder bloßes Bekenntnis, noch tote Überlieferung ist, sondern: geistige Gemeinschaft, deren ethische Zwecke es genossenschaftlich zu verfolgen gilt. Unsere eigentümliche Lage in Europa weist auf die Notwendigkeit, sich der großen europäischen Aufgaben mit stärkster Bewußtheit der jüdischen Eigentümlichkeit zu unterziehen. Des-

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