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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 507

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Bodenbesitzordnung in Palästina
Date
1918-01-01
Page
507 (sequence 9)
Language
German
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Bodenbesitzordnung in Palästina Kaum ein einzelner ist je diesem „typus inversus" gefolgt und unseres Wissens niemals eine ganze Menschenmasse. Dennoch ist die Aufgabe nicht hoffnungslos. Denn es gibt doch trotz allen Drucks und aller Entrechtung immer noch eine große Masse von jüdischen Existenzen, die im Hauptberufe oder doch im Nebenberufe, als Gärtner, Urproduzenten sind, und viele Juden wissen als Fuhrleute und Pferdehändler wenigstens mit Pferden umzugehen. Aus diesen Elementen wird man den Stamm der ersten Ansiedler zu gewinnen haben. Aber auch in der großen durchaus verstädterten Masse ist die Liebe zur Scholle und zur Natur nicht ganz erloschen. Auch unter ihnen wird eine Anzahl von Männern zu finden sein, die mit Erfolg Pflug und Karst zu führen verstehen, wenn man es nur richtig anfängt. Dazu ist aber das erste Mittel, sie jung genug dem neuartigen Beruf zuzuführen. Was den Erwachsenen nur selten gelingt, wird dem Knaben und werdenden Jüngling sehr oft glücken, wenn ein geregelter Lehrgang ihn erzieht, und das Ziel des Strebens seinen Wünschen entspricht. Beides muß die jüdische Kolonisation in Palästina anstreben. Der Mensch strömt nach meiner Formel „vom Orte höheren zum Orte geringeren Druckes auf der Linie des geringsten Widerstandes": wir haben die Dinge so zu ordnen, daß ein genügender Teil unserer Jugend ohne .äußeren Zwang den Weg zu dem von der Gesamtheit erstrebten Ziele findet. Wie ist dieses Problem lösbar? Nun, wir müssen uns darüber klar sein, daß das Wort „Druck" in unserer Formel nicht mechanisch, sondern psychologisch verstanden werden muß. Weshalb wandert in aller Welt der Landarbeiter, oft auch der Bauer, in die Stadt, trotzdem er seine rein materielle Lage dadurch oft genug eher verschlimmert als verbessert? Weil er, meistens mit Recht, auf eine sozial höhere Stufe aufzusteigen glaubt. Er ist persönlich freier, weniger von Menschen, wenn auch oft stärker von unpersönlichen Mächten abhängig; er hat größere Aussicht, seine Kinder eine Staffel höher auf der gesellschaftlichen Stufenleiter zu erheben, und er hat schließlich' mehr Geselligkeit, Abwechslung und Anregung. Würde der Bauer in der allgemeinen Schätzung höher stehen als der Städter, wäre das Landleben nach allgemeiner Auffassung leichter, reicher und angenehmer als das städtische, so wäre die Strömung umgekehrt. Nun liegen die Dinge in unserem Falle derart, daß viele unserer jungen Leute an sich schon aus nationalen und religiösen Gründen in Palästina den Ort ihres „geringsten Druckes" erblicken. Wir brauchen also, um die Strömung nicht nur nach Palästina, sondern auf den Acker Palästinas zu leiten, nur dafür zu sorgen, daß das neue Dorf möglichst viel Anziehungskraft erhalte. Das ist die tief psychologisch begründete Anschauung, aus der heraus der niederdeutsche Dichter Sohnrey seit Jahrzehnten für die Einführung höherer Bildung und edlerer Geselligkeit im deutschen Dorfleben eintritt; wir haben das Gleiche zu erstreben. Das jüdische Dorf muß nicht nur dem Naturgefühl, sondern auch dem Geselligkeitsbedürfnis und Auszeichnungsbedürfnis des Menschen Genüge tun; es muß ein Zentrum besitzen, in dem die Einwohnerschaft sich zu freundschaftlichem Verkehr und zur Entgegennahme von Darbietungen wissenschaftlicher und künstlerischer Art zusammenfindet; und vor allem muß der jüdische Bauer durchaus in dem Bewußtsein leben können, daß er der erste Stand des Volkstums ist, sein Tragstein und sein Pfeiler. Und das wird er ja auch in Wahrheit sein, wenn es gelingt, die Entstehung eines großspurigen städtischen Kapitalismus ebenso zu verhindern, wie das Aufkommen eines Standes von Großgrundbesitzern. Heft ir. 37

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