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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 506

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Bodenbesitzordnung in Palästina
Date
1918-01-01
Page
506 (sequence 8)
Language
German
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506 Franz Oppenheimer: Damit kommen wir in Palästina nicht aus. Die zionistische Siedlungsbewegung arbeitet nicht mit einem Bauernvolke, sondern mit einer verstädterten Masse, und will sie in ein Land führen, das nicht leer, sondern von einer zwar dünnen, aber kraftvollen Bauernbevölkerung bereits besetzt ist. Aus diesen besonderen Bedingungen des Falles ergeben sich besondere Aufgaben: eine nationale und eine sozialpädagogische neben der allgemein ökonomischen. Die nationale Aufgabe ist durch die Ansiedlung noch so vieler Juden als Grundherren oder als städtische Berufstreibende nicht zu lösen. Die Geschichte beweist unzweideutig, daß es nur eine nationalisierende Kraft gibt: des Pflügers Schweiß, der in den Acker dringt Wo immer eine herrschende Schicht oder Sprachgruppe in noch so großer Zahl und Besitzesmacht über einer bäuerlichen Unterschicht saß, blieb das Land der Sprache und Art nach das Land der Unterschicht; und der Grundadel wie die Städte mußten sich ihr anpassen. So ward der germanische Adel in Italien und Frankreich romanisch, in Böhmen czechisch; so ward umgekehrt Pommern dem Deutschtum gewonnen, obgleich hier der Slawenadel nach Empfang der Taufe zum großen Teil unter seinen eingeborenen Fürsten sitzen blieb, weil das Land an deutsche Bauern aus dem westlichen Stammlande vergeben war. Und so wurden die Städte des weiten Slawenlandes, ursprünglich deutsch bis zum Grunde, allmählich polnisch oder czechisch, Krakau so gut wie Prag. Kein Gedanke, das kräftige arabische Fellachentum anders für die jüdische Sache zu gewinnen als dadurch, daß man das Land mit jüdischem Bauerntum erfüllt. Pflanzer und Großgrundbesitzer können die nationale Aufgabe niemals lösen; sie werden sie im Gegenteil wahrscheinlich für immer unlösbar machen. Denn wenn zum Gegensatz der Sprache und Religion auch noch der der sozialen Stellung kommt, dann reißt die Kluft immer weiter auf; die an sich schon sehr starke nationalistische Strömung des an anderen Orten sehr selbstbewußten und seiner alten Kultur eingedenken arabischen Elementes wird sich aufrecken und dem Fremden, der dann in jedem Sinne des Wortes als Eindringling empfunden werden wird, jeden Zollbreit neuen Bodens streitig machen. Und das Gleiche gilt für eine rein und ausschließlich städtische Siedlung. Handwerker und Kaufmann der Städte sind auf den ländlichen Kunden viel stärker angewiesen als er auf sie, zumal wenn er sich bei den eigenen Konnationalen eindecken kann. Darum zwingt überall die ländliche Kundschaft die Städter ihres Bezirkes, ihre Sprache zu erlernen, und zwar schon zu einem Zeitpunkt, wo von einem eigenen, immer aggressiven nationalen Bewußtsein im modernen Sinne noch keine Andeutung besteht; und der Zwang wird bewußt und schlechthin unwiderstehlich, sobald der Gegensatz der Sprache und Art zum Bewußtsein gelangt und im innerpolitischen Kampf ausgewertet ist, d. h. regelmäßig nach Ausbildung einer eigenen Bourgeoisie, die ihren „feindlichen Wettkampf" unter der gutgläubig getragenen Maske des Nationalprinzips führt. Wer daher im Heiligen Lande die Renaissance des Judentums will, muß in Massen jüdische Pflüger schaffen. Das aber ist eine sozialpädagogische Aufgabe von nicht geringer Schwierigkeit. Unser Stamm ist des Ackers aus historischen Gründen seit Jahrtausenden entwöhnt. Ihn wieder dahin zurückzuführen, bedeutet nicht weniger als ein in aller Geschichte Unerhörtes leisten, bedeutet den Strom der allmenschlichen Entwicklung ein Stück zur Quelle zurückfließen heißen. Denn in aller Welt geht die Entwicklung vom Bauernzum Städtertum, und nirgends umgekehrt.

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