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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 503

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Bodenbesitzordnung in Palästina
Date
1918-01-01
Page
503 (sequence 5)
Language
German
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Bodenbesitzordnung in Palästina Ursache nach, sondern auch seiner Höhe nach in durchaus exakter Formel abzuleiten*). Vor allem spricht folgendes für ihre Richtigkeit, abgesehen von der, wie ich hoffe, unzweifelhaften Wahrheit der Voraussetzungen und des Schlußverfahrens: alle bisher vorgetragenen Kapitaltheorien sind unzweifelhaft und nach fast allgemeiner Übereinstimmung unhaltbar; es wird also noch immer die Ursache des Profits gesucht. Auf der anderen Seite besteht unzweifelhaft zwischen den Besitzern und Nichtbesitzern des Bodens ein Monopolverhältnis, das unbedingt einen Monopolgewinn abwerfen muß. Aber man hat diesen Gewinn bisher nicht aufgefunden. Es wird also auf der einen Seite eine Ursache zu einem Gewinn (dem Profit), und auf der anderen Seite ein Gewinn zu einer Ursache gesucht; und es ist ein sehr einfacher Schluß, daß diese beiden Dinge zusammengehören. Daß also das Bodeneigentum ein Monopol ist, darf ich für gesichert halten. Dann steht als nächste wichtige Frage vor uns auf, ob es sich um ein natürliches oder ein künstlich-rechtliches Monopol handelt. Die Antwort auf diese Frage entscheidet über alle soziale Praxis. Handelt es sich nämlich um ein natürliches Monopol, d. h. beruht die Machtposition der Eigentümer darauf, daß von Natur wegen nicht genug Boden vorhanden ist, um das Bedürfnis Aller zu befriedigen, so verlangt die Praxis radikale Maßnahmen: entweder die Verstaatlichung oder Vergesellschaftung des Bodens, wie sie der Ägrarkommunismus fordert, oder ein kompliziertes Steuersystem, das das unverdiente Einkommen aus dem Bodenbesitz dem Einzelnen entzieht und der Allgemeinheit sichert, so wie es etwa Henry George mit seiner Single tax vorgeschlagen hat. — Handelt es sich aber um ein Rechtsmonopol, d. h. beruht die Machtposition auf Aussperrung des von Natur aus zureichenden Vorrats an Boden durch die Besitzer gegen die Nichtbesitzer, dann ist die einfache Lösung die einer rationellen Verteilung des Vorrats. Die Frage läßt sich leicht beantworten, wenn man feststellt, wieviel Land auf den Kopf der landwirtschaftlichen Bevölkerung gebraucht wird, und wenn man dann mit der Einwohnerzahl eines Gebietes in die landwirtschaftlich nutzbare Fläche dividiert Ist der Quotient kleiner als der Normalbedarf, dann haben wir ein natürliches, ist er größer, ein rechtliches Monopol. Ich habe die Rechnung aufgemacht. Ein Hektar Landes pro Kopf, durchschnittlich 5 bis 7 ha pro Familie, genügt nach allgemeiner Übereinstimmung der Sachverständigen überall für bäuerliche Selbständigkeit: in primitiven Verhältnissen, um die Bauernfamilie zu beschäftigen und zu ernähren, in entwickelten Verhältnissen bei beträchtlich vermehrten Erträgen pro Fläche, um ihr nach Abzug ihres eigenen Nahrungsbedarfs genügend verkäufliche Produkte zu lassen, um das Zwei- und Dreifache an städtischer Bevölkerung zu versorgen. 30 Morgen gleich f\% ha (ca. 1 ha pro Kopf) ist überall in der Welt das ungefähre Maß der Urhufe der primitiven Zeiten, und das gleiche Maß beschäftigt und ernährt den gesteigerten Ansprüchen gemäß noch heute den Bauern zivilisierter Länder. Nun wohl, nach dieser Rechnung könnte der Erdball mindestens 4V2 Milliarden Kopfe in primitivster Landwirtschaft ernähren, das Dreifache der Zahl der heute lebenden Menschen überhaupt; und in Deutschland z. B. könnten 34 Millionen Menschen von selbständiger Bauernschaft leben, das Doppelte der landwirtschaftlichen Be- *) Näheres in meinem „Wert und Kapitalprofit«, Jena 1916.

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