Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Bodenbesitzordnung in Palästina
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 502 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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502 Franz Oppenheimer: dem Markte 200 Dollars wert ist, so zahlt er ihm als Monopolist nur sage 100 Dollars. Und wenn ein Monopolist von einem Dienstleistenden einen Tagesdienst von 12 Stunden durchschnittlicher gesellschaftlicher Arbeit kauft, so zahlt er ihm ganz analog nur sage 6 Stunden zurück, d. h. er gibt ihm einen Lohn, mit dem er nicht mehr als den Ertrag von 6 Stunden einkaufen kann. Das ist die höchst einfache Erklärung des Mehrwerts, die Karl Marx nicht finden konnte, weil er, gleich seinem Meister Ricardo, den Begriff des Monopols vernachlässigte. Die Klasse der Kapitalisten als Ganzes befindet sich im Verhältnis zu der Klasse der Arbeiter als einem Ganzen im Genuß einer Monopolstellung, und deshalb steht jeder einzelne Kapitalist jedem einzelnen Arbeiter als Monopolist gegenüber und streicht auch auf die Dauer und im Durchschnitt den Mehrwert ein. Dieses Verhältnis zwischen den Klassen, dieses „gesellschaftliche Klassenverhältnis", hat Karl Marx als das „Kapitalverhältnis" bezeichnet und auf das deutlichste als ein Verhältnis der einseitigen Dringlichkeit des Austauschbedürfnisses auf seiten der Arbeiterklasse beschrieben: die Kapitalistenklasse besitzt alle Produktionsmittel ohne Ausnahme, der „freie Arbeiter" aber nur seine Arbeitskraft; der Kapitalist hat den Tausch von Arbeit gegen Lohngeld durchaus nicht eilig, der Arbeiter muß verhungern, wenn der Tausch nicht zustande kommt, und muß daher den Mehrwert abtreten. Wenn Marx nur gesehen hätte, daß er mit dieser wahrhaft klassischen Analyse, die das Kapital anstatt als eine Sache zum ersten Male richtig als gesellschaftliches Verhältnis auffaßte, ein charakteristisches Monopol Verhältnis beschrieben hatte, so wäre der Weg für die letzte Erkenntnis in voller Breite offen gewesen. Er brauchte dann nur noch seine schon erwähnte Entdeckung heranzuziehen, daß in jungen Kolonialländern mit reichlich freiem Boden das Kapitalverhältnis nicht bestehen kann, und alles war völlig klar. Das Monopol nämlich, dessen die Kapitalistenklasse als Ganzes gegenüber der Arbeiterklasse als Ganzem genießt, ist das Monopol an Grund und Boden. Überall in der sogenannten Kulturwelt gehört aller Boden des Staates einem Teil der Bevölkerung, zumeist einer kleinen Minderheit, während der Rest, meistens die große Mehrheit, ohne Bodeneigentum ist. Nun braucht jedermann Grund und Boden, schlechthin alle als Wohnstätte, viele als Produktionsmittel, nämlich die Landwirte und Gärtner usw.; sie müssen den Boden mieten oder kaufen, um existieren zu können, und ihr Austauschbedürfnis ist offenbar dabei viel größer, als das der Besitzer, die es abwarten können. Folglich haben die Nichtbesitzer einen Mehrwert zu zahlen, und dieser Mehrwert ist — nicht die sogenannte Grundrente, wie man bisher annahm, sondern der Profit. Wer immer Boden in Besitz hat, sei es als Eigentümer, Mieter oder Pächter, und außerdem noch die sachlichen Produktionsmittel, um darauf im Großen zu wirtschaften, sei es als Landwirt, Industrieller oder Händler; der gehört zur Oberklasse, hat Anteil am Klassenmonopol, und streicht von seinen Arbeitern den Mehrwert ein, und zwar auf die Dauer und im Durchschnitt proportional dem Werte seiner sachlichen Produktionsmittel, seines sogenannten „Kapitals". Das ist meine „Monopoltheorie des Kapitalismus". Sie empfiehlt sich bereits durch ihre große Einfachheit, und ich glaube auch nicht, daß sie ernsthaft bestritten werden wird. Sie hat außerdem zur Lösung von weiteren sehr schwierigen Problemen geführt, die bisher noch nicht einmal in Angriff genommen werden konnten; so z. B. ist es mir gelungen, den Kapitalprofit nicht nur seiner