Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Bodenbesitzordnung in Palästina
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 501 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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seines „Kapital" ausdrücklich festgestellt, daß in jungen Kolonialländern d^s „Kapitalverhältnis" nicht besteht, das Geld und Maschinen zu-Mehrwert heckendem Wert macht: wo. jeder Arbeitsfähige Zugang zu Boden hat, zieht er es vor, Bauer oder Handwerker und Händler in Dorfschaften zu werden, anstatt einem Geld- oder Maschinenbesitzer Mehrwert zu steuern. Damit hatte Marx den Anschluß an die ältere klassische Doktrin erreicht, an die echte, sozialliberale; denn auch Turgot und Adam Smith hatten ganz das Gleiche gelehrt. Leider hat Marx, im Banne seines Meisters Ricardo, des Vertreters der späteren, bourgeois-liberalen Klassik, es versäumt, den nächsten Schritt zu tun und zu fragen, warum denn nur in jungen Kolonialländern jedermann zu freiem Boden Zutritt habe, warum nicht auch im alten Mutterlande? Auf diese Frage hätte er eine Antwort erhalten, die ihn weitab von der unglücklichen Lösung des Problems geführt hätte, zu der er auf Ricardos Wegen gelangt ist*). Ich habe die Frage gestellt, und bin zu einer Lösung gelangt, die ich jetzt für endgültig halten darf: Freie Konkurrenz und Monopol sind disjunktive Begriffe, die sich gegenseitig ausschließen. Freie Konkurrenz besteht, wo jeder, der sich an irgendeiner Produktion beteiligen will, es auch kann und darf; wo diese beiden Bedingungen nicht gegeben sind, da besteht ein Monopol, und zwar ein „natürliches", wenn nicht jeder skh beteiligen kann, und ein künstliches, rechtlich verliehenes, wenn er es nicht darf. Wo innerhalb eines Kreises von wirtschaftenden Personen freie Konkurrenz besteht, da gleichen sich auf die Dauer und im Durchschnitt die Einkommen aus. Das ergibt die Theorie und bestätigt die Erfahrung: auf dem Markte der Güter gleicht sich der Preis und dadurch der Gewinn, auf dem der Arbeit der Lohn aus.jp* Dort bleiben nur die Differenzen der „Rente" bestehen (die auch eine Art von Monopol darstellt), hier nur die Differenzen der persönlichen Qualifikation. Wo aber innerhalb eines Kreises von wirtschaftenden Personen ein Monopol besteht, da gleichen sich die Einkommen auch auf die Dauer und im Durchschnitt nicht aus, sondern es entsteht auf Seiten des Monopolisten Mehrwert; er erhält beim Tausch mehr, als seiner Qualifikation entspricht, erhält es natürlich von seinem Kontrahenten, der um soviel weniger erhält, den „Monopoltribüt" abtreten muß, und zwar, weil sein Austauschbedürfnis dringlicher ist, als das des Monopolisten. Denn auf Seiten des Monopolisten ist nach der Definition die Konkurrenz beschränkt, auf Seiten seines Kontrahenten ist sie unbeschränkt, ist einseitig „gegen ihn". Darum muß er den Mehrwert abtreten, um in den Besitz des dringend bedurften Gutes zu gelangen. Hat der Monopolist ein Verkaufsmonopol, d. h. verkauft er Güter gegen Geld, so erhält er mehr an Arbeitswert, als in seinem Gute steckt, im Preise zurück, d. h. er kann mit dem Erlöse mehr Arbeitsstunden in Gestalt von Gütern kaufen, als er aufgewendet hatte; besitzt er ein Einkaufsmonopol, d. h. verkauft er Geld gegen Güter, so bezahlt er im Preise weniger an Arbeitsstunden, als in dem erworbenen Gute steckt, d. h. sein Kontrahent kann in Gestalt von Arbeitsstunden nur weniger kaufen, als er aufgewendet hatte. Wenn z. B. der Fleischtrust von einem Farmer ein Stück Vieh kauft, das auf *) Vgl. mein Buch „Das Grundgesetz der Marxschen Gesellschaftslehre';, Berlin 1903 und meine soeben erschienene Broschüre „Der Ausweg. Notfragen der /Seit , Verlag A. S. Herrmann, Berlin 1919.