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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 493

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Das Grundproblem der Ansiedlung
Date
1918-01-01
Page
493 (sequence 3)
Language
German
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_i _Das Grundproblem der Ansiedlung sation im Großen Neuland angebrochen wurde, ging freilich der natürliche Sinn der Siedler auf eigenes Walten über eigener Scholle, auf Bauern- und Herrenbesitz aus; aber nur ein äußerst geringer Bruchteil der palästinensischen Immigranten wird sich ein solches Ziel setzen und es erreichen können. Es ist keine Rede davon, daß selbst bei sehr hochprozentiger nationaler Kreditgewährung die bei derlei Absichten für den Einzelnen erforderlichen, relativ sehr hohen Summen, zumal bei der jetzigen Entwertung des osteuropäischen Geldes, irgendwelchen nennenswerten Gruppen der Einwanderer zur Verfügung stehen werden. Die Einstellung der zentralen .Organe gerade auf diese Gruppen, die auch ohnehin, bereits auf privater Grundlage, kreditfähig genug sind, würde die wirklichen Massen der mittellosen Emigranten allerdings zum größten Teil von Palästina abschrecken — und die höchste Aufgabe der Zeit wäre unverantwortlich vertan ... In der Theorie wenigstens wird allgemein zugestanden, daß nicht der Bodenbesitz allein, sondern erst die rein jüdische Arbeit auf diesem Besitz den jüdischen Charakter des Landes gewinnen und sichern kann. Auch wenn die nationale Kreditgewährung an freie Farmer (und Industrielle) von der ausschließlichen Einstellung jüdischer Arbeiterkräfte abhängig gemacht würde, hätte man daher bei Begünstigung einer Kolonisation durch Einzelwirtschafter von vornherein zwei scharf getrennte soziale Klassen unter den Einwanderern zu unterscheiden; das ganze Werk auf dem Lande würde so, selbst bei der Einführung des Prinzips der Erbpacht, im Grunde auf Privatwirtschaft und Agrarkapitalismus hinauslaufen — was die durch Krieg und Revolution hellsichtig gewordenen ostjüdischen Proletarier, die, dadurch zugleich mit der gesamten jüdischen Nation schwer geschädigt würden, einfach nicht mehr zulassen können. Außerdem mußte man bei diesem System die fellachischen Pächter der anzukaufenden Großgüter entweder von ihren bisherigen Arbeitsstätten vertreiben — was nimmermehr auch nur in Erwägung gezogen werden darf, denn wir haben die absolute Pflicht, die sozialen Rechte der einheimischen arabischen Bevölkerung ebenso wie die unserer eigenen Volksgenossen zu hüten — oder, nach dem üblichen Vorschlage, sie jeweilig auf einem bei intensiver Bewirtschaftung hinreichenden Teile dieser Güter belassen: aber dann wäre man, wenn dieser Ausweg ernst gemeint ist, auch genötigt, den sonst ganz hilflosen Männern alle weiteren zu einer solchen Umwälzung ihrer bisherigen Arbeitsmethoden notwendigen Unterstützungsmittel zu gewähren, was doch wohl schwerlich angeht — und dies übersieht man gewöhnlich. Soziale und nationale Mißhelligkeiten auf diese Weise erst neu zu schaffen, und dies alles, nur um eine in ihrem inneren ethischen Werte mehr als fragwürdige Form der Agrarwirtschaft aus Europa^ nach dem Neuen Lande zu verpflanzen: kann dies den Sinn der kommenden jüdischen Kolonisation bilden? Doch verbietet es die jetzige allgemeine Lage glücklicherweise von selbst, nunmehr die Erfüllung jener gutgemeinten, aber engen Pläne ernstlich ins Auge zu fassen. Die Materialien des zu errichtenden Baues sind da: einerseits die proletarisierten Städtermassen des jüdischen Ostens, zur baldigen Emigration in riesigen Dimensionen gezwungen und entschlossen; andererseits der Großgrundbesitz fiktiver Eigentümer in Palästina, mit gröbster extensiver Bewirtschaftung durch kleine Pächter, die jährlich ganze Länderstriche brach hegen lassen müssen. Die einzig gegebene prinzipielle Lösung, zu der sich angesichts ihres hohen nationalen, wirtschaftlichen und sozialen Wertes auch die zentralen 36*

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