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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 492

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Das Grundproblem der Ansiedlung
Date
1918-01-01
Page
492 (sequence 2)
Language
German
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492 Herman Glenn: soll diese Verwertung allein auf dem Fleiß und den Händen großer verarmter jüdischer Massen und der schöpferischen Initiative ihrer Volkskräfte beruhen: können diese Massen die Lasten der zu unternehmenden Anleihe wirklich, ohne zu scheitern, Jahrzehnte hindurch tragen und tilgen? Die entscheidende Antwort auf diese schwerwiegende, unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden palästinensischen Faktoren zu prüfende Frage muß aber (wie wir dies demnächst an anderer Steile durch einen ausführlich begründeten Wirtschaftsplan bündig erweisen zu können hoffen) bejahend lauten; die technische und wirtschaftlich-autonome Durchführbarkeit des Milliardenprojektes ist als über alle Zweifel erhaben anzusehen. Rein privatrechtlich betrachtet würden so die kreditierten Personen und Personenverbände zuletzt, mit dem Ablauf der Amortisationszeit, zu alleinigen Besitzern der von ihnen erworbenen Werte und Produktionsmittel aufsteigen; sowohl alle privatwirtschaftlich eingestellten Kreise wie einige individualistisch gerichtete Genossenschaftstheoretiker (was keinen Widerspruch bedeutet) würden einen solchen Abschluß auch als das eben Gebotene ansehen. Indessen handelt es sich hier nicht um private, sondern um nationale Unternehmungen und Garantien, die ohne das Medium der Nation gegenstands- und aussichtslos wären — demgemäß wird, auch nach erledigter Abtragung der Anleiheschuld, die Nation selbst in angemessener Form ihre höheren Besitzrechte zu bewahren haben. Dieses einzig würdige Ziel muß unverwandt im Auge behalten werden. Und deshalb sollte die große Transaktion von vornherein in engstem Zusammenhang mit dem Jüdischen Nationalfonds unternommen werden, dessen Einnahmequellen dadurch überdies bedeutend gehoben und gesichert werden könnten; die zentrale Kolonisationsstelle wäre entweder direkt dem Nationalfonds selbst, oder etwa mit diesem zusammen einer einzigen obersten Instanz zu unterstellen: am besten der ersten provisorischen jüdischen Regierung Palästinas, die im Namen des ganzen Volkes die Anleihe auszuschreiben hätte. Natürlich würde die Kolonisationszentrale nahezu ausschließlich diejenigen Formen der landwirtschaftlichen und industriellen Besiedlung betreiben, die in jedem Falle möglichst hohe Reingewinne erzielen lassen; denn nur auf diese Weise kann eine genügende Sicherheit für die geregelte Amortisation der großen Anleiheschuld gewährleistet werden. Jede Chance zur Verbilligung der Anschaffungs-, Bau- und Betriebskosten muß ausgenutzt, jedes Risiko der Beleihung einzelner Personen oder kleiner Personengruppen ausgeschaltet werden; schon dies weist mit Notwendigkeit auf die prinzipielle Beleihung^ von nur größeren Genossenschaften hin, die allein die hinreichenden Bürgschaften für solche Zwecke geben können — und dabei wird es sich nur um Genossenschaften selbst arbeitender Menschen handeln dürfen, da der Unterhalt nicht produktiver Elemente selbstverständlich die wirtschaftlichen Erträge, besonders auf dem Lande, stark negativ beeinflußt: wie dies leider bei der bisherigen, vorwiegend privatkapitalistischen Kolonisation in Palästina oft genug der Fall gewesen ist. Nun wird durch eine solche genossenschaftsfördernde Auslese der noch von vielen Seiten gehegte Traum einer langsamen vorsichtigen tropfenweisen Besiedlung Erez-Israels durch möglichst von vornherein selbständig wirtschaftende Existenzen — Bauern und Pflanzer, Gewerbetreibende und Industrielle — empfindlich gestört werden; jedoch mit Recht. Wo sonst bei einer Koloni-

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