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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 491

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Das Grundproblem der Ansiedlung
Date
1918-01-01
Page
491 (sequence 1)
Language
German
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DAS GRUNDPROBLEM DER ANSIEDLUNG Das Schicksal der jüdischen Massen des nahen Ostens, vor allem in Galizien, Kronpolen und Litauen, vollzieht sich mit einer erschreckenden Zwangsläufigkeit weiter. Teils werden sie, stärker noch als alle anderen einheimischen Schichten, in die allgemeine Verelendung ihrer Wohnländer mit hineingerissen; teils aber wird ihre Not, so in Polen, vom umgebenden Wirtsvolk als Ganzem noch bewußt und systematisch auf die Spitze getrieben, mit ausgesprochener Absicht und Hoffnung auf eine dadurch zu erzwingende baldige Emigration möglichst weiter Kreise der jüdischen Bevölkerung. Tatsächlich ist denn auch bereits durch Krieg und Revolution, Boykott und Pogrome eine immense Pauperisierung des gesamten Ostjudentums eingetreten; und eine Emigration im Großen wird mit Sicherheit kommen, sobald die jetzt noch unüberwindlichen technischen und politischen Schwierigkeiten fortfallen. Mit der Klärung der Weltlage und Wiederaufnahme des nötigen Schiffsverkehrs wird eine unübersehbare Flucht der entwurzelten Existenzen aus ihrer bisherigen Stiefheimat einsetzen, vor allem aus dem neuen Polen, wo der Unverstand einer extrem chauvinistischen Orientierung die Brücken nach Ost und West gesprengt und damit die Aussichten auf ein wirtschaftliches Gedeihen des Landes aufs äußerste herabgemindert, wo ferner eine üble antisemitische Psychose nahezu alle Volksklassen ergriffen hat, so daß schon für die bloße Lebensfähigkeit weiter jüdischer Volkskreise kein Raum mehr im Lande geblieben ist. Es ist mehr als fraglich, ob eine geregelte einheitliche Leitung der gesamten derart kommenden elementaren Auswanderungswelle überhaupt möglich sein wird. Aber es wäre Sache und Pflicht der nationalen Zentralorganisationen, die einzig gebotene weltgeschichtliche Chance mit kühner Entschlußfreudigkeit zu ergreifen und den großen Strom der Emigration dorthin zu leiten, wo er allein im gegenwärtigen Augenblick die höchsten nationalen Aufgaben zu erfüllen imstande wäre: nach Palästina. Eine solche Großaktion dürfte nur dann unterbleiben, wenn sie technisch und finanziell undurchführbar, oder wenn sie aus nationalen, wirtschaftlichen und sozialen Gründen unerwünscht wäre. Eine Reihe von namhaften Vertretern <ies Zionismus hat denn auch starke Bedenken fast nach allen diesen Richtungen hin geltend gemacht; nur der hohe nationale Wert einer möglichst beschleunigten Massenansiedlung leuchtet selbst den nachdrücklichsten Zweiflern ein. Und doch lassen sich alle jene Bedenken entkräften. Die finanziellen Einwände gegen die sofortige Massenkolonisation, als rein objektiver Natur, sind die wichtigsten. Es ist ja klar, daß nur eine ganz große und hinreichend verzinste, in nicht allzulanger Zeit zu amortisierende Milliardenanleihe diese Kolonisation sichern kann — die darauf folgende ökonomische Verwertung der erhaltenen Mittel, mit deren Gelingen oder Mißlingen <las schwierige Werk steht oder fällt, müßte dann von vornherein derart fest fundiert, der Erfolg derart verbürgt erscheinen, daß die interessierten Kreise Vertrauen zur ganzen Transaktton gewinnen und entsprechend viel zeichnen. Nun Heft Ii. 36

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