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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 10 · p. 462

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 10
Article
Soziale Steintafeln
Date
1918-01-01
Page
462 (sequence 5)
Language
German
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462 Max Rosenfeld: oziale Steintafeln zu haben: das Land wäre ebenso de nomine jüdisch, wie im Mittelalter das Germanenland deutsch war, wo die Magnaten, Barone und andere Raubritter durch Anwendung des politischen Mittels den Boden unter sich aufgeteilt hatten, sich salben ließen von den Frommen der Kirche und sich Nation nannten. Dieses Beispiel könnte sich in Palästina wiederholen. Wenn wir dort eine größere Anzahl jüdischer Grundbesitzer haben werden, die schöne Wein-, Orangen» und sonstige Fruchtgärten ihr eigen nennen, wird das Herz des biederen jüdischen, national gesinnten Krämers, Händlers, Wucherers, dann das der in kleinbürgerlicher Ideologie verwobenen Intelligenz hoch schlagen ob des Glückes der „Nation" in Palästina. Und so wie im Mittelalter das gemeine Volk stumm war als Hintersassen der „Nation", so wird auch das jüdische Volk, nur noch von größerer Ferne, zuschauen müssen, wie sehr seine Ideale von der eigenen Scholle eitel Traum waren; es wird einsehen, daß die schönen Pläne von einem nationalen und geistigen Zentrum im eigenen Lande wohl ein Geschenk Gottes für die Reichen bedeuten, nicht aber für die Hungrigen und Darbenden. Und dann? Dann wird die jüdische Frage auch niemals gelöst werden! Denn bei der immerhin geringen Bodenkapazität Palästinas muß es das Bestreben der gesamten jüdischen Nation sein, das Land zu einem jüdischen in dem Sinne zu machen, daß die größte erreichbare Zahl des jüdischen Volkes unter sozialwirtschaftlich gesunden Verhältnissen in Palästina angesiedelt werden könne. Wir wiederholen, daß dies nur dann zu erreichen sein wird, wenn wir ernst und entschlossen daran gehen, das Land national zu okkupieren und sozial zu durchdringen. Das einfachste Auskunftsmittel ist an der Spitze eines jeden Kapitels angeführt und schon ganz konkret in dem Satz von Spinoza. Das werden wir mit Hilfe des jüdischen Nationalfonds als des Organisators der Verhältnisse in Palästina erreichen. Von dem Jüdischen Nationalfonds muß jedoch die jüdische Öffentlichkeit energisch verlangen, daß die statutarischen und grundlegenden Prinzipien in vollster Reinheit erhalten und durchgeführt werden. Es darf kein Abschwenken vom Hauptgrundsatz geben, daß das Geld für Boden verwendet werden soll, der Gesamteigentum des jüdischen Volkes ist. Die Statuten des Jüdischen Nationalfonds sind nicht dazu da, um von Rabulisten anders ausgelegt zu werden, als es der Geist ihrer Satzungen, gestützt auf den Hauptgrundsätzen der Bücher der Bibel, verlangt, anders als es der Wille des V. Kongresses war, der sie formuliert hat. Eine solche Abirrung wie bei der Anleihe an Tel-Awiw soll es nicht mehr geben. Gewiß ist das jüdische Viertel in Jaffa eine schöne Tat an sich, gewiß konnten die Initiatoren jener Anleihe die Kritiker des Projekts verstummen machen, indem sie sich auf das Werk Tel-Awiw beriefen. Aber die Folgen stellten sich mit mathematischer Treffsicherheit ein. Wie groß die Bodenspekulation um Tel Awiw wurde, wie sehr die glücklichen Besitzer von Tel Awiw allmählich zu einer Bodenaristokratie herangewachsen sind, wie sehr es der Sauerteig des sozialen Übels der ungesunden Bodenwertsteigerung geworden ist, darüber mögen sich die Leser aus den Fachschriften überzeugen. Anders wenn der Nationälfonds den Boden der Gesamtheit hergibt und Häuserbaugenossenschaften gegen Pachtzins zur Verfügung stellt, so wie es Spinoza wollte. Der Nationalfonds ist als großes Finanzinstrument, das nur der Allgemeinheit zu dienen hat, geradezu berufen, schädliche wirtschaftliche und soziale Auswüchse, wie Bodensteigerung, allerhand Spekulation, Bodensperre, auszuschalten. Das

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