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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 10 · p. 460

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 10
Article
Soziale Steintafeln
Date
1918-01-01
Page
460 (sequence 3)
Language
German
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460 Max Hosenfeld: fache Volk, nicht das von Gott erkorene, erziehen, erlösen, retten wollen, sollen die Erziehung, die Erlösung, die Errettung des landlosen Volkes auf die soziale Weise tun, daß nämlich das ganze einziehende Volk eine Scholle des eigenen Bodens erhalte. Und schon dadurch, daß es nicht Religion will, sondern soziale Gerechtigkeit, wird sich wiederum Religion und Sozialismus verwirklichen. Der Zionismus wird aus dem Grunde seiner Verwirklichung entgegengehen und die Lösung bringen, weil die Schöpfer des modernen Zionismus in divinatoristher Intuition an die uralten Traditionen und Gebote des alten Israel angeknüpft und seiner glücklichsten, unvergänglichsten Institution, dem Jüdischen Nationalfonds, an die Spitze seiner Grundsätze die Fundamentalsätze der sozialen Steintafeln gesetzt haben: Der palästinensische Boden — Eigentum des gesamten Volkes. Damit ist der Durchbruch gemacht worden von der kapitalistischen, imperialistischen, auf Ausbeutung, Unrecht, Versklavung und Entsittlichung ausgehenden Länder des Golus in die Welt der politischen Freiheit und sozialen Gerechtigkeit. Denn es gibt keine Freiheit im politischen Sinn, wenn man sozial gebunden ist — diese Weisheit haben sich schon die Massen errungen. So kann der Fundamentalsatz der jüdischen sozialen Steintafeln: Gemeineigentum am Boden, der Hauptsatz der Satzungen des jüdischen Nationalfonds, als das erste soziale Gebot bezeichnet werden. Denn wenn auch hunderttausend Juden in Palästina Boden kaufen werden und in ihr Eigentum nehmen, so hat das jüdische Land zwar hunderttausend Menschen mehr, die vielleicht mithin ihre jüdische Lage subjektiv lösen werden, die jüdische Frage ist damit nicht gelöst. Denn Palästina wird nicht jüdisch durch Eigentum der Juden, sondern durch jüdische Arbeit und jüdische Gemeinschaft. Nicht jüdisches Eigentum, das römisch-rechtliche, auf Gewalt oder Geld aufgebaut, sondern jüdisches Eigerf- 'tun, d. i. jüdische Arbeit und jüdische Verwurzelung wird die Lösung der jüdischen Gemeinschaftsfrage bringen. 3- „Ihr gehört samt eurem Vermögen nicht euch selbst an, sondern eurer ganzen Sippe, der vergangenen und zukünftigen, noch mehr aber gehört die ganze Sippe samt dem Vermögen dem Gemeinwesen.*' Piatos Gesetze XI. Den vorstehenden Satz will die jüdische kleinbürgerliche Ideologie nicht verstehen, seinen Sinn kann sie sich nicht aneignen. Die jüdischen Kleinbürger, ihre Ideologen und Führer rennen mit blitzschneller Geschwindigkeit dem europäischen Beispiel nach und stellten auch bei der jüdischen Frage den schädlichsten Grundsatz auf: nur viel Boden in Palästina ankaufen auf jüdischen Namen; muß es auch dort jüdisches Großgrundeigentum geben, so schadet das nichts! Und doch müßten sie schon das Ergebnis des europäischen, amerikanischen Beispiels sehen; die sozialen Ursachen des Weltkrieges müßten sie eines Besseren belehrt haben. Sollte der Zionismus, dessen Anhänger diese Ideologen sind, nicht zunächst die fieberartige sozialwirtschaftliche Frage der Juden lösen können, in dem Sinne, daß er für die dort angesiedelten und weiter anzusiedelnden Menschen die Lösung und Erlösung bringt, dann ist ein solcher Zionismus gewiß nicht einmal der Knochen eines heldenhaften Schomer wert! Palästina muß ein soziales Asyl werden; nirgends in Europa werden wir eher gerechte Zustände finden als auf dem Urboden der sozialen Ideen, Die-

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