Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Das Verhältnis der Juden zu den Arabern
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 456 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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456 Arthur Ruppin: nähme von Hafen- und Eisenbahnbauten erforderlich sein. Ohne eine große jüdische Kolonisation würde diese Unternehmung, weil unrentabel, wahrscheinlich auf Jahrzehnte hinaus verschoben werden müssen. Wenn dank der jüdischen Kolonisation sie schon jetzt in Angriff genommen werden wird, so erfährt Palästina dadurch eine Bereicherung der Verkehrsmittel, die der ganzen Bevölkerung zugute kommt, nicht zum wenigsten auch dem Bauern, der für seine landwirtschaftlichen Produkte infolge leichteren und billigeren Absatzes höhere Preise erzielen wird. Hier kommt also der Nutzen der jüdischen Kolonisation für die arabische Bevölkerung sofort in klingender Münze zum Ausdrucke. Es kommt hinzu, daß die jüdischen Einwanderer auch kaufkräftige Konsumenten sind und dadurch den arabischen Bauern ihre Produkte zu lohnenden Preisen abnehmen werden; und nicht zuletzt werden durch die Arbeiten in den jüdischen Kolonien und die mit der Kolonisation im Zusammenhange stehenden notwendigen Bauarbeiten zahlreiche arabische Handwerker und Lohnarbeiter beschäftigt werden. Der letztere Punkt bringt uns zugleich auf die viel diskutierte Frage der Konkurrenz der jüdischen und arabischen Lohnarbeiter. Es ist den Juden vorgeworfen worden, daß sie, wo sie es können, nur jüdische und keine arabischen Lohnarbeiter beschäftigen. Es ist wahr, daß die Juden bestrebt sein müssen, in Palästina in erster Linie den einwandernden Juden Arbeit zu verschaffen. Man kann den Juden nicht verdenken, daß sie, solange jüdische Lohnarbeiter sich zur Arbeit anbieten, diese verwenden. Das ist auch deshalb gerecht, weil für einen großen Teil der jüdischen Einwanderer die Lohnarbeit die einzige Existenzmöglichkeit bildet, da sie kein Kapital und keinen Boden haben, während der arabische Lohnarbeiter in fast allen Fällen entweder selbst ein kleiner Landwirt ist oder zur Familie eines solchen gehört, und den Verdienst seiner Lohnarbeit nur als einen Nebenverdienst mitnimmt. Hierzu kommt noch, daß die Beschäftigung der Juden in der Landwirtschaft und im Handwerk das einzige Mittel bildet, um die jüdischen Einwanderer, die meistens aus kaufmännischen Berufen kommen, in die Landwirtschaft und das Handwerk einzuführen und sie für eine spätere Existenz als Landwirt oder Handwerker vorzubereiten. Auch ideale Erwägungen der Art, daß die Juden den Boden, den sie erwerben, nicht mit fremdem Schweiße, sondern mit ihrem eigenen düngen sollen, spielen hier eine Rolle. Aber selbstverständlich darf die an sich begreifliche Bevorzugung der jüdischen Arbeiter nicht zu einem systematischen Ausschlüsse arabischer Arbeitskräfte führen. Die Araber dürfen es den Juden nicht verargen, wenn die Juden so lange jüdische Arbeiter beschäftigen, als jüdische Arbeiter auf Arbeit warten. Aber der arabische Lohnarbeiter darf nicht verfemt sein. Außer den eben erwähnten Vorteilen, welche der arabischen Bevölkerung durch die von den jüdischen Kolonisationsgesellschaften in Angriff zu nehmenden öffentlichen Arbeiten erwachsen, soll die Wohlfahrt der arabischen Bevölkerung auch durch andere Maßnahmen planmäßig gefördert werden. Wir denken dabei an Maßnahmen: 1. auf dem Gebiet der Hygiene, 2. auf dem Gebiet der Technik, 3. auf dem Gebiet des Kreditwesens, 4. auf dem Gebiet des Schulwesens. Auf dem Gebiete der Hygiene sollen die Juden sich die Ausrottung aller epidemischen Krankheiten in Palästina (Malaria, Trachom) zur Aufgabe