Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Das Verhältnis der Juden zu den Arabern
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 457 (sequence 5)
- Language
- German
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Das Verhältnis der Juden zu den Arabern 457 machen und dadurch Hunderttausende von Arabern vor Siechtum und Blindheit bewahren. Auf dem Gebiete der Technik sollen sie durch Aufnahme von Arabern in Landwirtschaftliche und Handwerkerschulen unter ihnen technische Kenntnisse verbreiten. Die jüdischen Kommerz- und Hypothekenbanken sollen auch den Arabern offenstehen. Als Hauptaufgabe erscheint aber, das sehr im Argen liegende Schulwesen der Araber zu heben, sei es, daß wir arabische Schüler in unsere Schulen aufnehmen, sei es, daß wir uns am Ausbau des eigenen Schulwesens der Araber mit Subventionen beteiligen. Die Fremdheit zwischen Juden und Arabern kann nämlich nur dadurch zum Verschwinden gebracht werden, daß die Araber , das Kulturniveau erlangen, auf dem die jüdischen Einwanderer stehen. Da der Araber von Natur aus geistig gut begabt und seine Mentalität der jüdischen durchaus verwandt ist, so kann als sicher gelten, daß bei gleichwertiger Schulbildung die neu heranwachsende arabische Generation mit den Juden auf gleicher kultureller Stufe stehen wird. Wir werden, indem wir uns auf diese Weise bestreben, den Arabern europäische Kultur zu vermitteln, dieselbe Vermittlerrolle spielen, die wir einst im Mittelalter gespielt haben, nur daß die Richtung der Kulturwanderung diesmal umgekehrt ist. Im beginnenden Mittelalter haben wir Juden das morgenländische Wissen, das damals bei den Arabern aufbewahrt war, dem Okzident übermittelt und dadurch den Anstoß zu der Renaissance gegeben, auf der das ganze heutige europäische Geistesleben ruht. Heute würden wir das europäische Wissen den Arabern zu vermitteln haben. Vielleicht ist es kein bloßer Traum, daß, wenn im Laufe der nächsten Generation durch ein besseres Schulwesen die Araber die Kulturstufe der europäischen Einwanderer erreichen, sich eine Assimilation vollzieht, die den Unterschied zwischen Arabern und Juden überhaupt verschwinden macht oder auf ein Minimum reduziert. Die Assimilation, die in Europa das Judentum zermürbt hat, weil es eine Assimilation der Juden an die europäischen Völker und das Aufgeben aller eigenen jüdischen Werte bedeutet, wird in Palästina einen ganz anderen Sinn bekommen. Hier wird sie nicht eine AngJeichung der jüdischen an die arabische Kultur, sondern ein Sichfinden der Juden und Araber auf einer gemeinsamen, durch ähnliche Rassenanlagen und ähnliche Erziehung bedingten Kulturstufe bedeuten. Wenn in Europa zwischen Juden und Nichtjuden Gegensätze in Rassenanlagen ihren Grund haben und aus diesem Grunde nicht verwischbar sind, solange nicht durch Mischehen auch die Rassenanlage geändert wird, so ist hiervon in Palästina keine Rede. Die Araber Palästinas und die jüdischen Einwanderer, die heute aus Europa nach Palästina zurückr kehren, haben, wenn wir zwei bis drei Jahrtausende zurückblicken, dieselben Ahnen, und es sind nur die äußeren geschichtlichen Vorgänge, welche sie voneinander entfernt haben. Was aber die Geschichte auseinander gebracht hat, kann die Geschichte wieder zusammenbringen. Das letzte Ideal muß darin bestehen, daß die vorderasiatischen Völker, an ihrer Spitze die Araber und Juden, den vorderen Orient/ der in den letzten Jahrhunderten das Bild einer trostlosen Geisteswüste bot, wieder zu einer Stätte höherer Kultur machen, der den alten Spruch „ex Oriente lux" von neuem bewahrheitet. Konstantinopel Arthur Ruppin Heft io. 33