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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 10 · p. 455

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 10
Article
Das Verhältnis der Juden zu den Arabern
Date
1918-01-01
Page
455 (sequence 3)
Language
German
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Das Verhältnis der Juden zu den Arabern 455 lieber Teil des Bodens ist überhaupt noch von keinem Pfluge berührt worden, und der bereits in Kultur genommene Boden könnte bei intensiverer und besserer Bearbeitung viel größere Erträge liefern. Schätzt man die landwirtschaftlich benutzbare Fläche Palästinas auf x/2 der Gesamtfläche, d. i. auf 15 000 qkm gleich ca. 17000000 Dunam, die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Palästina auf 80000 bis 100000 und die für jeden Betrieb erforderliche Fläche auf 100 Dunam, so bleiben noch 7 000 000 bis 9 000 000 Dunam übrig. Das ist das Doppelte dessen, was die jüdische Kolonisation in den nächsten 30 Jahren nötig hat. Und dabei ist in Betracht zu ziehen, daß eine Fläche von 100 Dunam für den Betrieb zwar für den Getreidebauer notwendig ist, daß aber, wenn Palästina einmal seiner eigentlichen Bestimmung gemäß das Land der besten Südfrüchte und Frühgemüse wird, ein landwirtschaftlicher Betrieb nichtmehr wie20 Dunam erfordern wird. Soviel ist also klar: Aus Mangel an Boden braucht ein Kampf zwischen Juden und Arabern nicht zu entstehen, es ist Platz für alle da. Das einzige, was wir Juden verlangen und verlangen müssen, ist, daß die Araber uns in der Erwerbung des von ihnen nicht für eigene landwirtschaftliche Arbeit voll benutzten Bodens keine Schwierigkeiten machen. Es sollen bei Erwerb der Ländereien weder die Rechte der Eigentümer noch die Rechte der Pächter beeinträchtigt werden, und vor allem soll der kleine Bauer in jeder Weise vor dem Auskaufen geschützt werden. Die jüdischen Kolonisationsgesellschaften sollen niemals bäuerlichen, sondern immer nur Großgrundbesitz kaufen. Der auf dem erworbenen Boden bisher an-ässige arabische Pächter soll weiter eine gleich große Bodenfläche zur Verfügung haben, wie er früher bearbeitet hat. Das einzige, worin er sich eine gewisse Beschränkung wird auferlegen müssen, wird darin bestehen, daß er nicht mehr wie bisher aus dem großen, ihm zur Verfügung stehenden Terrain jedes Jahr ein anderes Stück wird heraussuchen können, sondern daß er gezwungen sein wird, jedes Jahr denselben Boden zu bebauen. Mit anderen Worten, er wird gezwungen sein, von der extensiven zu einer intensiveren Kultur überzusehen. Dies ist die höhere Stufe landwirtschaftlicher Kultur, die der Bauer in allen fortgeschrittenen Ländern erreicht hat, und ihre Erreichung wird auch in Palästina dem arabischen Pächter nur zum Vorteil ausschlagen. Der Pächter soll nicht mehr wie jetzt unter dem arabischen Großgrundbesitzer befürchten müssen, in jedem neuen Jahr von dem Boden vertrieben zu werden. Er soll eine rechtlich gesicherte Stellung durch Abschluß eines langjährigen Pachtvertrages oder sogar durch käufliche Überlassung seiner Parzelle gegen Ratenzahlungen erhalten. Dies würde den Pächter zu einer intensiveren Bearbeitung des Bodens antreiben, denn die bisherige extensive Bearbeitung des Bodens ist nicht zum geringsten Teile darauf zurückzuführen, daß der Pächter niemals sicher war, ob er auch in den kommenden Jahren auf dem Boden verbleiben würde, so daß sich für ihn eine intensivere Bearbeitung nicht lohnte. Der Erwerb von Boden soll in der Regel freihändig geschehen. Nur falls sich herausstellt, daß auf diese Weise der Erwerb von Boden zu vernünftigen Preisen überhaupt nicht möglich ist, sollten zu Maßnahmen, wie etwa Sicherung eines Vorkaufsrechtes bei Veräußerung von Großgrundbesitz zu Gunsten der jüdischen Kolonisationsgesellschaften gegriffen werden, wobei immer auf eine vollständige Schadloshaltung des Eigentümers Bedacht zu nehmen wäre. Zur Förderung der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation und zur Erleichterung des Absatzes der landwirtschaftlichen Produkte wird die baldige Vor-

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