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Der Jude · 1916-06-01 · Heft 3 (Juni 1916) · p. 179

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 3 (Juni 1916)
Article
Zum Problem der jüdischen Erziehung
Date
1916-06-01
Page
179 (sequence 11)
Language
German
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Zum Problem der jüdischen Erziehung m statischen Zweck dient ein mechanisches Mittel, einem dynamischen nur ein schöpferisch gestaltetes. Ob die jüdische Jugend in Deutschland von der großen Idee des jüdischen Volkes, seiner altneuen Heimat und seines ewigen Geistes erfaßt werden wird, weiß niernand; daß es aber durch ein Experiment, wie es die Bedenklichen v/ollen, nie geschehen kann, ist gewiß* So bleibt nicht einmal eine Wahl. Die Organisationstor rnen des Erziehungswesens, die sich aus der Art der Jugend überhaupt und aus den besonderen Forderungen und Aufgaben der jüdischen Jugend in Deutschland ergeben, sind zwar wichtige, aber nicht die einzigen Bestimmungsstücke des Plans einer jüdischen Nationalerziehung, Wir wollen in diesem kurzen Aufsatz nur noch von jenen, die sich aus der Idee der jüdischen Zukunft ergeben, einige andeuten. Die Jugend, die sich frei entwickeln darf, wird sich in ungezählte kleine und kleinste Kreise, Gemeinschaften, Bünde von verschiedenartigster Tönung, von verschiedenartiger Wertung der einzelnen Teilziele aufsplittern. Jede suggestive jugendliche Persönlichkeit wird ihre eigene Freundesschar um sich gruppieren; die einzelnen Kreise werden entstehen, blühen und vergehen; die jeweiligen Mittelpunkte werden Ort und Personen wechseln. Es ist zu erwarten, daß die Jugend ohne äußere Hilfe nicht zu einer umfassenden, dauernden Organisation gelangen wird und die Vereinzelung der Kreise nicht überwinden wird. Aus drei Gründen vor allem: es fehlt ihr die Möglichkeit, das Geld für solche Organisation zu beschaffen; der Jugendliche kann sich nicht, soll er sich selbst treu bleiben, unausgesetzt jahrelang technischer und organisatorischer Arbeit widmen, er bedarf der Einsamkeit, der rezeptiven Zeiten, der Ruhe; die Jugend hat nicht genügend moralisches Gewicht und diplomatische Fähigkeit, um eine große Organisation nach innen hin durchzusetzen und nach außen zu verteidigen. Die umfassende Organisation der Jugend ist aber nationale Forderung. So ist hier der Ort, an dem die jüdische Gesellschaft ihrer Jugend zuhilfe zu kommen hat. Sie muß den Jugendgemeinschaften Häuser oder Heime in den Städten, Hütten und Herbergen auf dem Lande, im Gebirge und am Meer einrichten; Spielplätze, Wiesen, Schwimmbäder, Übungsgärten, Werkstätten zur Verfügung stellen; Wander-, Sport- und Turnmittel, Bibliotheken, Bildersamm- - lungen, Unterrichtskurse bereitstellen. Die Jugend hat all dies selbstverantwortlich zu verwalten, sie hat unter Umstanden selbst zu einem Teil finanziell beizutragen. Dasjenige Organ der Judenschaft in Deutschland, dem die Sorge um dies Nationalerziehungswesen anvertraut ist, bestellt Fachleute, die die Jugend anweisen, fördern und kontrollieren, deren Kompetenz aber einzig und allein das Fachliche und die Verwaltung ist: Erhaltung der Heime, Gartenbau, Werkstättenarbeit, sachlicher Unterrieht und dergleichen. Die Anregung und Führung im Geistigen und in der Durchdringung des Sachlichen und Täglichen mit dem Geist ist Aufgäbe jener jugendlichen Führer und ihrer Meister, von denen oben bereits andeutungsweise gesprochen wurde. Die Fachleute, zusammen mit den gerade organisatorisch und technisch aktiven Jugendlichen können für die zeitweilig oder für immer Ausscheidenden Ersatz bestimmen. Und so könnte ein jüdisches Nationalerziehungswesen entstehen, das durch seine Dauer, Liegenschaften, realen Einrichtungen und Mittel eine reale Macht innerhalb der Judenschaft Deutschlands würde. ^ie gegenwärtige Situation des gesamten Judentums verlangt innere Fühlung seiner verstreuten Teile miteinander; sie müssen sich kennen und ergänzen lernen;

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