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Der Jude · 1916-06-01 · Heft 3 (Juni 1916) · p. 173

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 3 (Juni 1916)
Article
Zum Problem der jüdischen Erziehung
Date
1916-06-01
Page
173 (sequence 5)
Language
German
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Zum Problem der jüdischen Erziehung/ 173 einem viel ernsteren und wirklicheren Sinn als bei allen anderen ist die Jugend unsere Hoffnung, muß ihre Eigenart und Aufgabe das formgebende Prinzip für unsere Erziehungseinrichtungen sein. Wenn man in Deutschland daran geht, den Unterricht nach dem Wesen der Jugend zu orientieren, so ist das erwünschte Verbesserung eines Ungefährdeten« Aber unsere nationale Existenz, unser kultureller Eigenwert steht und fällt mit dem Willen unserer Jugend. Wir dürfen nicht Gegebenes nach ihr orientieren und verbessern, wir müssen die untersten Grundlagen nach ihrem Sein neu aufbauen, schon die ersten Umrisse nach ihren Forderungen, Notwendigkeiten und Möglichkeiten zeichnen; oder um es ganz genau zu sagen, wir dürfen ihr nur helfen, selbst zu bauen, zu formen und zu bestimmen. Die Voraussetzung und Grundlage für jüdische Erziehung wäre demnach in unserem Lande eine unterschiedliche Sonderart der jüdischen Jugend, die der Gestaltung fähig wäre, und ein Leiden an dieser besonderen Artung, das nach Veränderung des gegenwärtigen Zustandes, nach seiner adäquaten Gestaltung riefe. Und in der Tat ist sie zwiefacher geistiger Not ausgesetzt. Und nur vom geistigen kann hier die Rede sein, denn nur in ihm sind Hemmungen gegen das Fortschreiten auf der bisherigen Bahn eingeschlossen. Wer aber meint, die geistigen Bedürfnisse kämen im realen Geschehen nicht in Betracht, mit dem brauchen wir nicht zu streiten, denn er weiß von der Realität des Seelischen nichts, indes er über die der Materie klug redet; er weiß nichts von der absoluten Unvergleichbarkeit und Inadäquatheit der Kategorien Ursache und Wirkung im Seelischen. Die Jugend weiß es. Ihre Weltanschauung ist die Lehre von der Allmacht des Willens und Gedankens. Daß Staat und Familie ihr nicht Erlaubnis geben, diese Anschauung der Welt zu realisieren, wenigstens es zu versuchen (was doch die einzige Methode wäre, sie deren Begrenzung erkennen zu lehren), ist hauptsächlich eine Quelle der Verkümmerung des Wesentlichsten in der deutschen Jugend. In diese Tatsache und in die Not, den Unwillen und die Auflehnung, die aus ihrer Erkenntnis entspringen, ist die jüdische Jugend unlöslich mitverschlungen. Nicht die ganze Zeit, noch weniger die ganze Kraft und schon gar nicht das ganze Denken, Träumen und Lieben der Jugend ist vom Erziehungswesen und seinen Ausstrahlungen erfaßt. Es bleibt ein Rest, dessen Form und Inhalt bedingt ist vom naturgegebenen Rhythmus der jugendlichen Seele. Das ganze unterirdische, von der Gesellschaft nicht verstandene und kaum bemerkte Naturleben der Jugend pulst nach seinem Schlag. Freundschaft, Liebe, Kunst, Natur, Religion blühen hier nach eigenen Gesetzen, führen zu eigenartiger Gesellung der Gleichen, zu sonderbaren Gedankengebäuden, Gefühlsverwirrungen und Literaturen. Auch in dieses Naturleben der deutschen Jugend ist die jüdische unlöslich mitverschlungen. Ihr aber wird noch weniger Heil daraus. Hier ist die Quelle ihrer anderen, eigenen Not, denn die Rhythmen ihrer Seele sind andere; mögen sie auch so wenig vielleicht unterschieden sein, daß sie intellektueller Analyse noch unerfaßbar sind, hört doch der Feine einen tiefen Mißklang. Vielleicht müßten es alle empfinden, da doch hier die feinsten Unterschiede die am wenigsten überbrückbaren sind, wenn nicht der Selbstbehauptungsdrang sie zwänge, nichts zu merken, und sie zur Grobhörigkeit züchtete und erzöge. Am sinnfälligsten ist die seelisch-körperliche Eigentümlichkeit der jüdischen Jugend an ihrem physischen Habitus, der bei ihr noch deutlicher zu sein pflegt, als bei den erwachsenen Juden, Man hat ihn selten geleugnet. Höchstens haben gewisse

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