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Der Jude · 1916-06-01 · Heft 3 (Juni 1916) · p. 168

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 3 (Juni 1916)
Article
Die wirtschaftlichen Lehren des Krieges für Palästina
Date
1916-06-01
Page
168 (sequence 4)
Language
German
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i68 Curt Nawratzki: Die wirtschaftlichen Lehren des Krieges für Palästina möglichste NichtVergrößerung der städtischen Bevölkerung ganz gleich welcher Ait, bevor eine gleichmäßigere Verteilung von konsumierender und produzierender Bevölkerung erreicht ist. Es ist hier nicht der Platz, um ein ganzes Wirtschaftsprogramm zu entwickeln und zu zeigen, in welcher Weise diese Vorschläge durchgeführt werden können. Gewiß sind Schwierigkeiten vorhanden und vorhanden gewesen, die die Durchführung dieses Programms behindern; die wichtigste ist wohl dies, daß der Jude als bisheriger Stadtbewohner sich gerade für die mehr bäuerliche landwirtschaftliche Betriebsweise der Eigenproduktion weniger eignet, oder besser gesagt, daß die Überführung zuerst in den landwirtschaftlichen Pflanzungsbetrieb leichter und schneller vor sich geht. Damit wird aber das Wirtschaftsproblem Palästinas nicht gelöst, sondern nur ein Problem durch ein anderes verdeckt. Setzt man dagegen in den kommenden dreißig Jahren bereits in der Diaspora landwirtschaftlich tätig gewesene Familien in größerer Zahl an, und solche gibt es doch mehr, als wir in dieser Zeit ansiedeln können, so wird man des durch den Krieg aufgezeigten Problems der ungenügenden Eigenproduktion Palästinas bald Herr werden. Daneben kann dann selbstverständlich auch die bisherige Begründung von Pflanzungskolonien jedweder Art fortgesetzt werden, doch setzt diese Art der Kolonisation voraus, daß sie durch die sogenannten bäuerlichen Kolonien mit Eigenproduktion ergänzt werden. Selbstverständlich ist es, daß den entsprechenden natürlichen Verhältnissen des Landes bei der Begründung von Kolonien Rechnung getragen wird, d. h. Boden, der für Pflanzungskolonien geeignet ist, für diese, Boden, der für Ackerbaukolonien geeignet ist, für jene verwendet wird. Nur muß eine planmäßige Kolonisation eben den Boden erwerben und in den Gebieten, der nach der Gesamtlage für die in Frage kommende Kolonisation geeignet ist, nicht aber jeden Boden kaufen, -weil er scheinbar billig ist. Also, um größere Eigenproduktionsgebiete zu schaffen ist es nur nötig, die Zahl der Kolonien des Typus von Galiläa zu vergrößern, und es braucht keine neue Form gesucht zu werden, denn wenn mich nicht alles täuscht, dürften jene Kolonien im Gegensatz zu denen von Judäa durch den Krieg sehr wenig geschädigt werden; sie werden wie bisher so gut wie keiner Zuschüsse und keiner Unterstützung bedürfen und werden nach dem Kriege sich normalerweise weiterentwickeln. Durch gewisse Maßnahmen, die allerdings zum Teil wohl noch außerhalb der Machtbefugnisse der jüdischen Kolonisation liegen, könnten die einseitigen Produktionsverhältnisse der verschiedenen Gebiete Palästinas außerdem durch bessere Verkehrsverhältnisse ausgeglichen werden, denn viel würde dieses Wirtschaftsproblem an Schärfe verlieren, wenn die von Natur aus so verschiedenartigen Gebiete des Landes ihre natürlichen Produkte untereinander leicht austauschen könnten. Durch den während des Krieges erfolgten Bau einer Bahn, die das Hinterland Palästinas mit dem gesamten Küstengebiet verbindet, ist man diesem Ziel bereits teilweise näher gekommen; der Getreide produzierende Hauran und das noch zukunftsreiche Eigenprodüktionsgebiet des Ostjordanlandes kann nunmehr mit dem Wirtschaftsgebiet der Küste mit seinen Pflanzungs- und Handelskulturen in wirtschaftlichen Austausch treten. Einen Einwand, der mir bereits gemacht worden ist, möchte ich von vornherein bekämpfen, nämlich den, daß man die Wirtschaft eines Landes nicht auf derartige kritische Zeiten einstellen könne. Diesen Einwand halte ich für grundfalsch, nicht nur für Palästina, sondern überhaupt für viele Gebiete; erst recht aber für Palästina,

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