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Der Jude · 1916-06-01 · Heft 3 (Juni 1916) · p. 169

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 3 (Juni 1916)
Article
Die wirtschaftlichen Lehren des Krieges für Palästina
Date
1916-06-01
Page
169 (sequence 5)
Language
German
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Siegfried Bernfeld: Zum Problem der jüdischen Erziehung 169 denn nicht nur ein zukünftiger Krieg, sondern jede Absatzschwierigkeit für die Produkte der Pflanzungen, sei es infolge von Marktschwierigkeiten, sei es durch Seuchen, Krankheiten mit langwierigen Quarantänevorschriften, wie sie gerade in diesem Gebiete so häufig sind, können eine ähnliche Krisis wieder hervorrufen und damit das ganze ökonomische Gebäude der jüdischen Kolonisation erschüttern. Bei Ackerbaukolonien kann vielleicht eine Ernte, die Arbeit eines Jahres, zerstört oder vernichtet werden, in wenigen Jahren ist der Schade überwunden. Bei Pflanzungskolonien wird durch eine Krisis die Arbeit vieler Jahre, ja selbst Jahrzehnte vernichtet, ohne daß in den folgenden Jahren ein schneller Ersatz geschaffen werden kann. Zum Schluß möchte ich nochmals rekapitulieren, daß die beiden Formen der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina — und nur diese kommt bei den geringen Entwicklungsmöglichkeiten von Gewerbe und Industrie in den Städten in Frage —, die der Pflanzungskolonisation mit der Produktion hochwertiger Erportfrüchte und die der Ackerbaukolonisation mit der Produktion des nötigen Eigenbedarfs des Landes sich ergänzen müssen, und zwar in der Weise, daß für absehbare Zeiten erst einmal die Ackerbaukolonien an Zahl und Umfang der Produktion für,die nächste Periode das Obergewicht gegenüber den Pflanzungskolonien erhalten müssen. Winterbach (Baden) Curt Nawratzki ZUM PROBLEM DER JÜDISCHEN ERZIEHUNG Wo immer im letzten Jahrhundert ein Volk zum Bewußtsein seiner selbst erwachte, der Wille zu nationaler Erneuerung oder Unabhängigkeit lebendig wurde, entstand die Sehnsucht nach einem nationalen Erziehungswesen. Am lautesten wurde dieser Ruf, am schnellsten und vollkommensten fand er Gehör, wenn die Nation nicht hoffen konnte, in absehbarer Zukunft durch eine kriegerische Erhebung ihr Ziel zu erkämpfen. Solange diese Hoffnung wirksam bleibt, heißt nationales Erziehungswesen kaum mehr als nationales Wehrhaftmachen der Jugend, Aber so einfach ist das jüdische Problem nicht zu lösen (übrigens ebensowenig das mancher anderen Völker). Der physische Charakter und moralische Wert seiner Massen, ihre abnorme soziologische Struktur, die überaus innige Verflechtung und Verschlungenheit der ökonomischen Beziehungen zwischen ihnen und der umwohnenden fremden Majorität, nicht zum wenigsten die eigenartigen rechtlichen und kulturellen Wechselbeziehungen lassen den Gedanken an irgendeine Art bewaffneter nationaler Erhebung als sinnlos, unmöglich und minderwertig erscheinen. So müßte die Judenheit dem langsamen, aber dennoch unausweichlichen Untergang ihrer nationalen, kulturellen Sonderheit, wenn auch vielleicht nicht ihrer physischen Existenz, entgegensehen, falls sie keine andere Möglichkeit hätte, die soziologische Tendenz der letzten hundertfünfzig Jahre zu hemmen, als durch die Scheidung von jüdischen Waffengenossen und Waffenfeinden; falls kein anderes reales Mittel die Macht hätte, die Judenschaft mit innerem unentrinnbarem Zwang untereinander?u verbinden und von den Anderen genügend rein zu trennen. Tatsächlich ist die Heft 3. 12

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