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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 413

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Praktisches zur Universitätsgründung in Jerusalem
Date
1918-01-01
Page
413 (sequence 10)
Language
German
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Praktisches zur Universitätsgründung in Jerusalem 413 räumliche Vereinigung mit der eigentlichen Universität empfohlen, soweit diese Institute usw. neu geschaffen und nicht etwa in schon bestehenden Baulichkeiten zweckmäßig untergebracht werden. Für diesen Grundsatz der Einheit des Ortes sprechen weniger Bedürfnisse der Bequemlichkeit und Zeitersparnis (räumliche Nähe der Orte aufeinanderfolgender Vorlesungen und Übungen), als vielmehr ideelle Erwägungen, die an der jüdischen Universität mehr als sonst von Gewicht sein sollten. Es ist nämlich an den zahlreichen Universitäten, bei denen die Institute und Kliniken entfernt vom Vorlesungsgebäude liegen, eine häufige Erscheinung, daß sich die Studierenden der betreffenden naturwissenschaftlichen und medizinischen Gebiete in besonders weitgehendem Maß auf ihr Fachstudium beschränken und eine Beschäftigung mit anderen dem Fach nahestehenden oder allgemeinbildenden Disziplinen vermeiden, während die Studierenden der im Universitätshauptgebäude vorgetragenen Lehrfächer ganz von selbst im Anschluß an ihre Vorlesungen oder zwischen zeitlich auseinanderliegenden Kollegstunden a^ich Vorlesungen aus anderen Gebieten besuchen und so den Horizont ihrer Interessen und ihres Wissens erweitern. Eine gewisse Vielseitigkeit dieser Art, die durchaus nicht im Gegensatz zur notwendigen Spezialisierung und zur Erwerbung tüchtiger Fachkenntnisse steht, ist ganz gewiß doppelt wünschenswert für die jüdische Universität und ist daher tunlichst zu erleichtern; ist doch für die jüdischen Studierenden nicht nur eine allgemeine Ausbildung in erkenntnistheoretischer, naturwissenschaftlicher, ökonomischer Richtung, sondern vor allem andern ein gründliches Wissen und ständiges Weiterstreben auf dem Gebiete der spezifisch jüdischen Kulturinhalte unbedingt erforderlich. Übrigens drängen nach der gleichen Richtung der räumlichen Vereinigung auch die Tendenzen einer Volkshochschule, deren Ziele doch nicht zum mindesten durch die Universität angestrebt und verwirklicht werden sollen. Weiterhin sei die Frage nach geeigneten Lehrbüchern berührt, wie solche dem Universitätsunterricht auf die Dauer nicht vorenthalten werden dürfen. Daß Lehrbücher in europäischen Sprachen nur ein ganz notdürftiger und zeitweiliger Ersatz für solche in hebräischer Sprache sein können — nicht nur im Interesse der Studierenden, sondern auch in demjenigen der Dozenten —, darüber wird kein Zweifel möglich sein. Soweit man sich nicht vorläufig einfach mit hebräischen Übersetzungen geeigneter Lehrbücher begnügt, was nur für einen beschränkten Kreis von Wissenschaften (am ehesten für die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer) möglich ist, wird es Aufgabe der Dozenten selbst sein, geeignete Lehrbücher für den Hochschulunterricht abzufassen. Es läßt sich eben bei den besonderen Bedürfnissen des entstehenden jüdischen Zentrums nicht vermeiden, daß auch die Universitätslehrer wie alle anderen Bürger der jungen Heimstätte ihre individuellen Aufgaben und Interessen zunächst gegenüber den öffentlichen und Gemeinschaftsbedürfnissen verhältnismäßig zurücktreten lassen Rüssen, d. h. in diesem besonderen Fall namentlich, daß sie in den ersten Jahren ihre Forschertätigkeit bis zu einem gewissen Grade vernachlässigen müssen zugunsten der Wirksamkeit für den Universitätsunterricht im allgemeinen und für Jhre Lehrtätigkeit im besonderen. Wenn auch die Lehrkräfte, die an den hebräischen Gymnasien und sonstigen Mittelschulen Palästinas heute tätig sind bzw. vor dem Krieg unterrichteten, im allgemeinen für die Abfassung von Lehrbüchern für den Hochschulunterricht nicht jn Betracht kommen werden, so können und sollten sie 'dennoch eine ebenso

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