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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Praktisches zur Universitätsgründung in Jerusalem
Date
1918-01-01
Page
414 (sequence 11)
Language
German
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4*4 Adolf Fraenkei: Praktisches zur Üniversitätsgründung in Jerusalem wertvolle wie dringende Vorarbeit für diesen Unterricht leisten: ich meine die Herstellung von Vokabularheften zur Übertragung von wissenschaftlichen termini technici ins Hebräische. Es werden zwar ohne Zweifel die der strengen Wissenschaft vorbehaltenen Fachausdrücke, für die regelmäßig international übliche griechische oder lateinische Bezeichnungen eingebürgert sind, auch in der hebräischen Wissenschaftssprache beibehalten werden. Aber für alle auch fürs bürgerliche Leben in Betracht kommenden Ausdrücke müssen möglichst reine hebräische Bezeichnungen gesucht und gefunden werden, eine Aufgabe, die ja von den erwähnten hebräischen Lehrkräften schon in weitem und sehr verdienstlichem Maße geleistet worden ist. Diese bisherigen Vorarbeiten, recht reichlich ergänzt und fortgeführt, den einwandernden jüdischen Schichten ,und unter ihnen namentlich den künftigen Dozenten der Universität nutzbar zu machen, wird eine außerordentlich wichtige und vordringliche Aufgabe sein und den besten Schutz vor übermäßiger Überschwemmung der hebräischen Sprache mit Fremdworten gewähren. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß es daneben den jüdischen Gelehrten freistehen wird, für die im Verlauf ihrer eigenen Forschungen sich als notwendig erweisenden neuen Begriffsbildungen selbständig neue hebräische oder fremdsprachlich beeinflußte Bezeichnungen zu bilden, die dann von selbst ganz ebenso Gemeingut der internationalen Wissenschaft werden, wie die von deutschen, französischen oder englischen Forschern eingeführten Termini. Wenig vordringlich gegenüber der Schaffung von Lehrbüchern ist die Herausgabe von Zeitschriften, die der Entwicklung der reinen Wissenschaft dienen. Soweit es sich nicht um Gebiete handelt, bei denen spezielle palästinensische Bedürfnisse in Frage kommen, wie z. B* für die Landwirtschaft und die Medizin, werden die jüdischen Forscher sich für ihre Publikationen einstweilen der großen europäischen und amerikanischen Zeitschriften bedienen können, deren Mitarbeiterschaft ohnehin vor dem Krieg international gemischt war. Daß sich dies nicht auf Zeitschriften beziehen kann, die der Popularisierung der Wissenschaft, pädagogischen und Unterrichts- sowie praktischen Zwecken dienen, liegt auf der Hand, Ein schneller Ausbau der zu schaffenden zentralen Bibliothek in Jerusalem, die vorläufig nicht nur rein wissenschaftlichen, sondern gleichzeitig auch praktischen und Volksbildungszwecken dienen muß, sowie die Schaffung von Fachbibliotheken für die einzelnen Universitätsinstitute ist dringend wünschenswert. Solange auf diesem Gebiet die Bedürfnisse nicht befriedigt werden können, wäre für die Zwecke der Universitätslehrer und -studierenden vielleicht ein Behelf der folgenden Art empfehlenswert und durchführbar; jeder an die Universität berufene Dozent wird ohnehin eine nicht allzu knappe Zahl ihm gehöriger Bücher iind namentlich auch wertvoller Sonderabzüge aus wissenschaftlichen Zeitschriften mitbringen. Würden all diese in Privatbesitz befindlichen Veröffentlichungen ger meinsam katalogisiert und, soweit die Besitzer sie nicht gerade benötigen, anderweitigen Benutzern leihweise zur Verfügung gestellt, so wäre der schlimmste Notstand für die erste Zeit beseitigt. Hiermit möchte ich diese bunte Reihe von teils grundsätzlich wichtigen, teils bis auf Einzelheiten gehenden Anregungen für heute abschließen. Möge das Kriegsende die energische und opferfreudige Arbeit der jüdischen Massen am Aufbau der nationalen Heimstätte und dabei nicht in letzter Linie an der Herstellung eines blühenden wissenschaftlichen Zentrums in recht naher Zeit ermöglichen! Z.Zt.München Adolf Fraenkei

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