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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 409

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Praktisches zur Universitätsgründung in Jerusalem
Date
1918-01-01
Page
409 (sequence 6)
Language
German
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Praktisches zur Universitätsgründung in Jerusalem 409 hervorgegangener Schüler Wellhausens und seiner Nachfolger? Oder wird man etwa, um beide Richtungen (zwischen denen es ja übrigens noch eine Reihe von Übergängen gibt) zu Worte kommen zu lassen, je einen Vertreter der Tradition und der Kritik nebeneinander stellen? Ich glaube, alle drei Wege sind ungangbar oder wenigstens mit den schwersten Bedenken verknüpft. Die nicht grundsätzlich auf traditioneller Basis Stehenden — darunter selbst durchaus konservativ gerichtete Männer etwa vom Schlage unseres großen Meisters Achad Haam, dessen Wort und Rat uns in der nächsten Zukunft wertvoller sein wird als je — werden gegenüber der ersten Möglichkeit von ihrem Standpunkt aus mit Recht einwenden: die moderne Universität des jüdischen Volkes muß der Auffassung und der Entwicklung der modernen wissenschaftlichen Forschung folgen, auch wo sich diese in unzweifelhaftem Gegensatz zur altjüdischen Tradition und zur religiösen Überzeugung beträchtlicher Teile des jüdischen Volkes befindet; wissenschaftliche Lehre und Forschung auf der Grundlage eines traditionell gebundenen Programms bedeutet einen Widerspruch in sich selbst. Eine womöglich noch schwerere Gewissensbedrängnis würde die zweite Lösung für die auf dem Standpunkt der Überlieferung stehenden — oder, wie wir mit einem neuerdings üblich gewordenen Ausdruck kurz sagen können: für die „thoratreuen" — jüdischen Massen darstellen; sie würden nicht allein in ihrer überwältigenden Mehrheit es ablehnen, finanziell oder sonstwie fördernd mitzuarbeiten an einer jüdischen Volksinstitution, innerhalb deren der göttliche Ursprung der Bibel ausdrücklich abgelehnt wird, sondern schon die bloße Existenz einer solchen Institution unter der Fahne und Gesamtverantwortung des jüdischen Volkes wäre für sie ein qualvolles, aufs tiefste verletzendes Bewußtsein. Endlich aber würden auch wohl beide Richtungen den an letzter Stelle genannten wie auch jeden ähnlichen vermittelnden Weg abzulehnen willens und berechtigt sein: die einen, weil sie ausschließlich vorurteilsfreie und nicht auch neben ihr gebundene Wissenschaft anerkennen können, die anderen, weil sie jede von einer Gesamtheitsinstitution ausgehende Verbreitung von Lehrmeinungen, die der jüdischen Überlieferung widersprechen, als einen Faustschlag gegen ihr religiöses Empfinden und ihre Anschauung von dem Wesen des jüdischen Volkes als „Religionsnation" empfinden würden. Die in dem letzten Absatz beleuchtete Schwierigkeit beschränkt sich aber nicht etwa auf das spezielle Gebiet der Bibelexegese. Unüberbrückbare Gegensätze ähnlicher Natur zwischen den beiden Richtungen ergeben sich für eine Reihe von Disziplinen, ja für so ziemlich alle, die dem Bereich der eigenen Kulturschätze des jüdischen Volkes angehören, also z. B. für Talmud, Midraschim •und talmudische Hilfswissenschaften, spätere Entwicklung der jüdischen Literatur, jüdische Geschichte usw., auch etwa für alte Geschichte des Orients dgl.*). Ähnliche Bedenken könnten übrigens auch für das Gebiet der Philosophie und für gewisse Naturwissenschaften entstehen; hierauf wird weiterhin noch besonders zurückzukommen sein. So ernst nun prinzipiell die angedeuteten Schwierigkeiten erscheinen mögen, so einfach ist es dennoch, sie beiseite zu räumen. Der Bezeichnung des Weges hierzu möchte ich die Bemerkung voranstellen, daß es nicht in meiner Absicht Hegt, hier allgemein die Frage der Öffentlich-rechtlichen Stellung der Religion *) Die rein philologischen Fächer wie hebräische Grammatik oder vergleichende Philologie der semitischen Sprachen dürften übrigens nicht in diesen Bereich fallen. Heft 8/9. 3°

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