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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 407

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Praktisches zur Universitätsgründung in Jerusalem
Date
1918-01-01
Page
407 (sequence 4)
Language
German
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Praktisches zur Universitätsgründling in Jerusalem 407 Dazu tritt noch eine besondere, etwa an erster Stelle einzufügende Judaistische Fakultät, auf die im II, Abschnitt zurückzukommen sein wird. Was den allmählichen Aufbau und Ausbau der Universität betrifft, so sind — abgesehen von der jedenfalls zweckmäßigen Anknüpfung an bereits vorhandene Institute und Einrichtungen (z. B. auf medizinischem Gebiet) — zwei prinzipiell verschiedene Wege möglich. Man kann entweder zunächst nahezu gleichzeitig für eine möglichst große Anzahl von Fächern die beschleunigte Gründung je eines Lehrstuhls und den Beginn eines, wenn auch zunächst primitiven, Unterrichts anstreben und die weitere Ausgestaltung dieser Lehr- und Forschungsgebiete so lange aufschieben, bis für jedes Fach oder wenigstens deren Mehrzahl je ein Grundstock geschaffen ist; oder man kann für eine Wissenschaft nach der andern je ein einigermaßen hinreichendes Programm in bezug auf die Zahl der Dozenten und den Umfang des Unterrichts durchzuführen suchen und dabei immer erst nach .einem gewissen Ausbau der einstweilen erledigten Disziplinen an neue Gebiete herantreten. Diese Unterscheidung wird weniger bedeutungsvoll sein bei denjenigen Fächern, bei denen (wie bei Medizin und Technik, sowie gewissen ökonomischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen) ein praktisches Bedürfnis unmittelbar drängt; mit diesen Gebieten wird mehr oder weniger gleichzeitig begonnen und dabei bis zu einem gewissen vorläufigen Abschluß fortgeschritten werden. Für den weit überwiegenden Rest von Lehrgebieten aber, zu dessen Ausbau jedenfalls eine größere Reihe von Jahren erforderlich sein wird, möchte ich entschieden den zweiten der oben angedeuteten Wege befürworten^ und zwar aus mehreren Gründen. Es wird im Interesse der Universität selbst und Palästinas wie auch in dem der jüdischen Diaspora liegen, daß jüdische Studenten aus Europa und Amerika schon in absehbarer Frist je ein oder einige Semester ihrer Studienzeit in Jerusalem verbringen. Dies ist ohne allzu großen Zeitverlust nur bei denjenigen wissenschaftlichen Disziplinen möglich, in denen der Unterrichtsbetrieb eine leidliche Vollständigkeit aufweist. Ferner ist es für den wissenschaftlichen Forscher — und aus solchen soll sich doch der Lehrkörper der Universität zusammensetzen! — eine unerläßliche Notwendigkeit, durch persönlichen Verkehr mit Kollegen der gleichen oder einer verwandten Disziplin wissenschaftliche Anregung und Belehrung zu schöpfen, eine Notwendigkeit, die da um so dringender ist, wo Zusammenkünfte mit auswärtigen Wissenschaftlern durch die räumliche Entfernung unterbunden sind und wo sich überdies noch etwa ein Mangel an bibliothekarischen Hilfsmitteln zunächst erschwerend fühlbar macht; ein mehrere Jahre hindurch auf sich allein angewiesener Forscher könnte nicht nur in seinem produktiven Schaffen gehemmt oder zu einseitig werden, sondern auch Gefahr laufen, seinen Unterricht den Fortschritten der Wissenschaft nur ungenügend anzupassen. Endlich wird es, wenn die jüdische Universität und ihr Lehrkörper auf der Höhe bleiben soll, notwendig sein, jedem Dozenten in nicht zu langen Zwischenräumen regelmäßig einen Urlaub zur Weiterbildung im Ausland zu gewähren (etwa alle 2 Jahre ein Sommersemester oder einige Sommermonate), ähnlich wie z. B. in Amerika den Dozenten alle 7 Jahre ein „Sabbatjahr" zu derartigen Zwecken zur Verfügung gestellt zu werden pflegt. Ich will zur Be- L.Koenigsbergers Festrede „Die Mathematik eine Geistes- oder Naturwissenschaft?" Heidelberg 1913.) Diese Frage ist übrigens von ganz untergeordneter Bedeutung.

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