Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die Auslese des Menschenmaterials für Palästina
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 382 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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3^2 Arthur Ruppin: Die Auslese des Menschenmaterials für Palästina 4. Ausmerzung der Antisozialen. Wie aus dem Vorstehenden schon ersichtlich, schieben wir die Aufgabe, Personen mit antisozialen Instinkten von der Auswanderung fernzuhalten, in erster Linie den Aus Wanderungsgruppen zu. In Palästina soll diese Auslese dann dadurch fortgesetzt werden, daß auch hier das wirtschaftliche Leben in möglichst weitem Maße auf die Genossenschaft als kleinste wirtschaftliche Einheit basiert wird. Personen, welche von keiner Genossenschaft aufgenommen werden, haben also von vornherein geringe;Aussichten auf wirtschaftliches Fortkommen und werden in vielen Fällen das Land wieder verlassen, besonders wenn auch die öffentliche Meinung gegen diese Eigenbrödler und Antisozialen Stellung nimmt. Es ist vorauszusehen, daß man gegen das hier vorgeschlagene Auslese-Prinzip einwenden wird, daß ja auch ganze Gruppen antisozial gesinnt sein können, daß 20 Personen zusammen noch nicht die Gewähr bieten, daß sie eine höhere Moral haben als eine Einzelperson. Aber das ist nicht richtig. Im allgemeinen müssen die Gruppen, da sie ja aus den Judenmassen Osteuropas hervorgehen, auch die Moral dieser Massen haben. Diese Moral ist nicht antisozial. Weitaus die große Mehrheit der osteuropäischen Juden können als erwünschte Einwanderer gelten. (Wäre es nicht so, so würden überhaupt alle Bemühungen, in Palästina ein jüdisches Leben auf gesunder sozialer Grundlage zu schaffen, umsonst sein, da man durch die Verpflanzung in ein anderes Land moralisch minderwertige Menschen nicht zu moralisqh vollwertigen macht und von außen oktroyierte gute soziale Einrichtungen von einer moralisch minderwertigen Bevölkerung in den meisten Fällen zerstört oder umgangen werden.) Nur durch einen unglücklichen Zufall oder durch bewußten Zusammenschluß von Outsiders können deshalb in einer Gruppe von 20—50 Mitgliedern die Minderwertigen einmal in der Mehrheit sein und eine Auslese in unserem Sinne verhindern. Hier müssen dann die Zionisten des Auswanderungslandes auf der Wacht stehen und ihre Stimmen erheben, um solche Gruppen zu stigmatisieren und das Auswanderungsamt zu ihrer Reform aufzufordern. Überhaupt muß die öffentliche Meinung sowohl im Auswanderungslande wie in Palästina die Auslese durch die Gruppen und Genossenschaften unterstützen. Die Wichtigkeit einer richtigen Auslese muß überall gewürdigt und verstanden werden. Und da die Gruppenmoral, wie oben gesagt, immer nur ein Spiegelbild der Moral der ganzen jüdischen Bevölkerung ihrer Umgebung ist, so ist zu hoffen, daß, wenn durch gesunde wirtschaftliche Verhältnisse, insbesondere durch die Rückkehr zur Landwirtschaft, durch die Entwicklung des Schulwesens und der munizipalen Selbstverwaltung die allgemeine Moral und das Verantwortlichkeitsgefühl der Juden in Palästina steigt, auch die Ansprüche der Gruppen an die Moral ihrer Mitglieder immer höher werden. Es kommt vieles darauf an, der Auswanderungsgruppe klar zu machen, daß sie bei einer laxen Praxis in bezug auf die Aufnahme von Mitgliedern sich selbst am meisten schädigt, da die minderwertigen Mitglieder wie Geschwüre am Leibe der Gruppe fressen und ihr wirtschaftliches Fortkommen in Palästina erschweren werden. Die Aufnahme von Mitgliedern in die Auswanderungsgruppe muß deshalb von vornherein so geregelt werden, daß Personen erst dann als definitive Mitglieder aufgenommen werden, wenn sie ein halbes Jahr als Kandidaten an allen Sitzungen und Verhandlungen der Gruppe teilgenommen haben und den übrigen Mitgliedern bekannt geworden sind. Da naturgemäß auch vieles davon abhängt, wer die ersten Gründer einer Gruppe sind, so wird es die Aufgabe der lokalen Vertrauensleute