Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die Auslese des Menschenmaterials für Palästina
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 378 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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37* Arthur Ruppinr Ausbildung kann man erwarten, daß von den Ausgebildeten die große Mehrheit dauernd in der palästinensischen Landwirtschaft verbleibt und nur ein kleiner Prozentsatz später verloren geht. Für diejenigen, die in Europa in der Landwirtschaft ausgebildet sind, ist die Prognose hinsichtlich ihres Verbleibens in der palästinensischen Landwirtschaft viel schlechter. Nach meiner Ansicht wird die größere Hälfte sich in Palästina als nicht geeignet erweisen und nur die kleinere Hälfte wird in Palästina verbleiben können. Trotzdem hiernach die landwirtschaftliche Ausbildung in Europa viel weniger wirksam und mit viel mehr Verlustprozenten verbunden ist, als die landwirtschaftliche Ausbildung in Palästina, wird man doch zunächst von der landwirtschaftlichen Ausbildung außerhalb Palästinas (am besten in solchen Ländern, die Palästina klimatisch und landwirtschaftlich ähnlich sind wie z. B. Südeuropa, Nordafrika, Kalifornien) Gebrauch machen müssen, weil wie gesagt, die Cadres in Palästina zu klein sind, um für die erwünschte Zahl von neuen landwirtschaftlichen Einwanderern eine Ausbildungsmöglichkeit zu bieten. Wenn aber nach einer Übergangszeit von vielleicht 10 Jahren die palästinensischen Cadres erweitert sind, wird es hoffentlich möglich sein, von der Ausbildung außerhalb Palästina ganz abzusehen und allen Einwanderern eine Ausbildungsmöglichkeif in Palästina selbst zu bieten. Als beste Form für die berufliche Auslese erscheint uns die Organisation von örtlichen Auswanderungsgruppen. Die Gruppenauswanderung bietet gegenüber der Einzelauswanderung folgende Vorteile: 1. Sie schafft dem Einwanderer in Palästina Anlehnung an Bekannte und Berufsgenossen aus seiner Heimat und schützt ihn vor Fremdheit und Vereinsamung. 2. Sie bildet einen Kern für gemeinsame wirtschaftliche Betätigung der Mitglieder der Gruppe in Palästina, z. B. für Bildung von Konsumvereinen, Kredit- und Produktionsgenossenschaften; solche Genossenschaften sind in Palästina sehr wertvoll und sie gedeihen am besten, wenn ihre Mitglieder nicht zufällig zusammengewürfelt sind, sondern sich von früher her bereits kennen und einander vertrauen. 3. Sie bietet die Möglichkeit, durch einen engen, mehrjährigen Verkehr der Mitglieder untereinander vor der Auswanderung sich gegenseitig genau kennen zu lernen und arbeitsuntüchtige oder antisoziale Mitglieder auszustoßen. Das Hegt im eigenen Interesse der Gruppe, denn sie soll ja auch in Palästina eine wirtschaftliche Einheit bilden und wird hier dann am ehesten gedeihen, wenn ihre Mitglieder harmonisch zusammenarbeiten und ihre Privatinteressen mit den Interessen der Gruppe in Einklang zu halten wissen. Jede Gruppe soll nur so viel Mitglieder umfassen, daß ein enger Verkehr aller Mitglieder möglich ist, im Durchschnitt etwa 20—50. Welche Arten von Auswanderergruppen zu bilden sind, wird von der zukünftigen Entwicklung Palästinas abhängen. Doch kann man als häufigste Typen etwa die folgenden fünf bezeichnen: a) Gruppen von jungen 14—18jährigen Jünglingen und Mädchen, die landwirtschaftliche Arbeiter in Palästina werden wollen. Sie müssen gesund, kräftig und anspruchslos sein. Sie sollen der Gruppe mindestens zwei Jahre angehören und soviel Geld sparen, daß sie für die Kosten der Überfahrt und für die Hälfte ihres Unterhaltes im ersten Jahre ihres Aufenthalts in Palästina genügend Mittel haben (etwa 400 Goldfrancs bei Zugrundelegung der Preisverhält-