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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 377

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Die Auslese des Menschenmaterials für Palästina
Date
1918-01-01
Page
377 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Die Auslese des Menschenmaterials für Palästina uns für Palästina geeignet erscheinen, auf die sich in Palästina bietenden Aussichten hinweisen. Es kommen hierfür in Betracht erstens die Juden, die schon in Osteuropa, sei es in besonderen landwirtschaftlichen Kolonien, sei es als Einzelne, sich mit Landwirtschaft, Gärtnerei und Viehzucht beschäftigen. Insbesondere können hier wahrscheinlich die jüdischen Kolonien in Südrußland mehrere hundert oder tausend geeignete Familien abgeben. Ferner müssen diejenigen Handwerker und Industrien, in denen Juden in Europa bereits in großer Zahl tätig sind und die auch in Palästina einen gesicherten einheimischen Markt oder Export und außerdem annähernd gleich günstige Produktionsbedingungen wie in Europa haben, festgestellt und versuchsweise in Palästina eingeführt werden. Es ist unseres Erachtens verfehlt, wenn man in Palästina an die Einführung von Industrien oder Handwerken gehen wollte, in welchen die Juden in Europa noch nicht heimisch sind. Es würde ungeheure Mühe machen, die Juden in diese neuen Industrien und Handwerke einzuführen. Es ist eine große Ersparnis an Zeit und Geld, wenn man in erster Linie an die Einführung solcher Industrien und Handwerke denkt, in welchen in Europa schon eine große Anzahl von Juden beschäftigt ist. Bekanntlich hat sich ja die große jüdische Einwanderungsbevölkerung von New York nur dadurch in so schneller Zeit eine Existenz geschaffen, daß sie diejenigen Handwerke, in denen die Juden schon in Rußland arbeiteten, in Amerika auf einer erweiterten Stufe wieder aufnahm. Bei der Einführung dieser Handwerke in Palästina muß allerdings darauf gesehen werden, daß die sozialen Bedingungen für die Arbeiter bessere sind als unter dem Schwitzsystem in New York. Am besten würde sich dies durch die Bildung von Handwerkerproduktivgenossenschaften erreichen lassen. Bei der geringen Zahl der landwirtschaftlich tätigen Juden in Europa ist allerdings vorauszusehen, daß diese Schicht nicht genügend Einwanderer für Palästina stellen wird. Andererseits ist es äußerst wichtig, möglichst schnell die Zahl der jüdischen Landwirte in Palästina zu vermehren, um die landwirtschaftlichen Cadres zu vergrößern. Es verhält sich hier ungefähr ebenso wie im Heere: sind die ausgebildeten Heeresteile (Cadres) vorhanden, so ist es möglich, in diesen Cadres alljährlich eine ziemlich große Zahl neuer Leute einzustellen und auszubilden. Das Wichtigste und Notwendigste ist eben die Schaffung guter Cadres. In Palästina ist leider die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und Farmen, in denen neue Leute landwirtschaftlich ausgebildet werden können, noch, sehr klein und es kann jährlich nur eine beschränkte Anzahl von Einwanderern, die wahrscheinlich mit 300 jährlich schon sehr hoch gegriffen ist, neu ausgebildet werden. Es muß deshalb danach gestrebt werden, diese Cadres in Palästina schnellstens zu erweitern, da die landwirtschaftliche Ausbildung in Palästina für den zukünftigen palästinensischen Landwirt viel wichtiger ist als die Ausbildung in irgend einem anderen Lande. Der junge Mann, der in Palästina einige Jahre in der Landwirtschaft ausgebildet wird, erlernt ja nicht nur die reine Technik der Landwirtschaft (obwohl auch in dieser Beziehung die Ausbildung in Palästina dem zukünftigen Landwirt im allgemeinen mehr praktische Detail-Kenntnisse vermittelt, als die Ausbildung in einem anderen Lande), sondern er wird außerdem noch mit den Landessitten, mit der Landessprache bekannt und gewöhnt sich an das Klima. Personen, die sich nicht an das Klima oder an die Landesgewohnheiten anpassen können, scheiden meist schon am Anfange der Ausbildung aus. Nach einer mehrjährigen Heft 8/9. 28

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