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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 363

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Von der Eigenartigkeit jüdischer Politik
Date
1918-01-01
Page
363 (sequence 6)
Language
German
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Von der Eigenartigkeit jüdischer Politik 363 bis zur Universität, die ja leider auch nur ein Teil der Wirtschaft ist, nationalisiert werden. Wenn sich z. B. die zahlreichen jüdischen Bankbeamten einer wirklich tatkräftigen und selbständigen jüdischen Politik anschließen wollten, so könnte es das Unternehmen, das sie beschäftigt, nicht zulassen, weil es der deutschen oder tschechischen Politik und Wirtschaft zu dienen hat Sie müssen also einen wirtschaftlichen jüdischen Rückhalt haben. Wäre das Verhältnis so zu verstehen, daß den Mitgliedern des deutschen oder tschechischen Volkes geholfen werden soll, ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse zu befriedigen, so könnten wir uns diesem Bemühen sehr gut auf der einen oder auf der anderen Seite einfügen, ohne unsere Eigenart zu vergewaltigen. Es handelt sich aber in Wahrheit viel weniger um Hilfe für die eigenen Volksgenossen, als um die Unterdrückung des anderen Volkes und seiner Mitglieder auf wirtschaftlichem und infolgedessen auch auf politischem Gebiete. Da können wir uns dann nicht mehr einfügen, ohne unsere Eigenart zu vergewaltigen, weil uns selbstverständlich jener Unterdrückungstrieb fehlt, der irgendwie mit dem Blute des Deutschen oder Tschechen zusammenhängt. Man betrachtet uns infolgedessen auch als unzuverlässig und bloß gut genug, die Rolle der Zitrone zu spielen, die man auspreßt und dann wegwirft. Und dabei können wir, wie schon gesagt wurde, in dem deutsch-tschechischen Kampfe auch nicht wirklich neutral sein und verbrauchen nutzlos die Kräfte, die einer zielbewußten jüdischen Politik dienen sollten. Politik und Wirtschaft als Angriffswaffen um uns herum sind die furchtbaren Hindernisse für eine zielbewußte jüdische Politik. Statt daß auch wir sie in die Hand nehmen und in unserer eigentümlichen Lage nicht nur den Feind, den wir nicht hassen, sondern auch uns damit verwunden, laßt uns an ein Bild unserer Bibel erinnern. Laßt uns die Schwerter zu Pflugscharen umschmieden! Kräftigen wir die einzelnen jüdischen Menschen zum eigenen Nutzen, nicht den andern zum Trotz! Damit diese Sätze mehr als schöne Worte seien, müssen wir eine schon geäußerte Behauptung näher erklären. Wir sagten früher, daß die äußere Politik der Völker mit der inneren Wirtschaft zusammenhänge. Das ist aber nicht nur in der Weise der Fall, daß, wie wir schon sagten, das wirtschaftliche Wohl des einzelnen Volksgliedes von den gewaltpolitischen Erfolgen des Volkes abhängt, sondern noch in einer anderen Weise, die uns trotz unserer Hilflosigkeit in gewaltpolitischer Beziehung doch einen Ausweg aus unserer trostlosen Lage zeigt. Wenn wir nämlich die Gewaltpolitik irgendeines Volkes — wir können hier ebensogut auch sagen: eines Staates — betrachten, so sehen wir, daß sie zugleich die Voraussetzung und die Folge der Tatsache ist, daß auch die Beziehungen zu den einzelnen Volksmitgliedern auf Gewalt begründet sind. Wir können diese Tatsache leider nicht durch die gegensätzliche Schilderung eines Lebens beleuchten, das uns gemäß ist. Denn ein wirklich jüdisches Leben gibt es heute nicht. Im Westen ist es entjudet, im Osten sozusagen entwirklicht. Aber die bekannte radikalsoziale Richtung der mosaischen Gesetzgebung, der Umfang und die Bedeutung der sozialen Fürsorge im Ghettojudentum zeigen uns Strebungen in unserem Wesen, die einem Leben entgegengesetzt sind, das die Einzelnen ganz auf die Machtmittel stellt, die sie sich zu erwerben gewußt haben. Freilich, auch dann, wenn das Leben innerhalb der Gemeinschaft nicht auf Gewalt begründet wäre, wäre ein Gegensatz der Völker da. Aber es wäre kein derartig erbitterter Kampf ohne Sinn für den Wert des anderen yolkes unter vollständiger Mißachtung aller sonst anerkannten sittlichen Gesetze. Da wir nun 27*

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