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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 7 · p. 333

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 7
Article
Die goldene Kette
Date
1918-01-01
Page
333 (sequence 11)
Language
German
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Die goldene Kette 333 neu. Es ist nicht zum ersten Mal, daß Dichter, und zwar solche von echtem Schlage, gegen die Wissenschaft revoltieren. Die Klagen und Anklagen der Dichter mehrten sich aber ganz besonders im letzten Viertel des verflossenen Jahrhunderts, als die sogenannte dekadente Richtung sich in der schönen Literatur einzubürgern begann. Die Wissenschaft töte den Glauben an das Wunder, sie lege dem Wunsche Fesseln an, indem sie ihn nur im Bereiche der Realisierbarkeit gelten läßt, und verurteile die Sehnsucht des Herzens zu einem unfruchtbaren Dasein in leeren Phantasien. Das bloße Verlangen, das in früheren Zeiten für sich allein die Bedeutung eines realen Faktors zu erreichen pflegte, habe nicht mehr den Mut, in das Leben bestimmend einzugreifen, solange es in der Wirklichkeit keinen Stützpunkt für sich finden kann. Dies wäre ungefähr der tiefere Sinn, der in den Klagen der Dichter verborgen liegt. Und doch gab es Zeiten, in denen die wissenschaftliche Forschung auch den Dichter zu schwungvollen Worten beseelte. Es sei bloß an Shelley und Goethe erinnert. Aber damals hat die Wissenschaft einen ganz anderen Geist geatmet. Sie wurzelte noch tief im Boden des Ethos und hatte die Idee der Humanität zu ihrer Grundlage. Die Entwertung und Verödung der wissenschaftlichen Forschung datiert von jenem Augenblick, wo sie sich von ihrer ethischen Wurzel loszulösen begann, von dem Momente, wo sie Anstalten machte, sich in ein bloßes Machtmittel im Dienste selbstsüchtiger Interessen zu verwandeln. Der echte Gelehrte begann allmählich zu verschwinden, und an seine Stelle trat der bestellte Wissenschaftler, der Philister auf den Katheder. Es beginnt zugleich der geistige und moralische Zusammenbruch der europäischen Wissenschaft überhaupt und die Abkehr aller tieferen Gemüter von ihr. Wir gehen' nun zum dritten und letzten Akte über. Dieser Akt, der den Knotenpunkt sämtlicher Handlungen bildet, ist reich an dramatischen Wirkungen und muß auch in rein künstlerischer Beziehung als der formvollendetste Teil des Werkes bezeichnet werden. Die äußere Umgebung hat sich auch hier wenig verändert. Wir gelangen in das Zimmer des Rabbi Mose, von dem eine Tür in den Beth-Hamidrasch führt. Das Zimmer selbst ist übrigens ebenfalls ganz bethhamidraschartig eingerichtet. Miriam und der Gabbe Israel unterhalten sich .über die große Veränderung, die sich im Innern des Rabbi vollzogen hat. In Rabbi Moses Seele ist der Geist des Ahnen Salomo zu einem neuen Leben erwacht. Miriam: Wie geschah's so unvermutet? Israel: Die Gemeinde! Aus allen Ecken und Enden der Welt strömen Juden herbei, Chassidimlein! Trägt jedes Chassidlein im Herzen ein Fünkchen, nähern sich die Fünkchen einander und verschmelzen zu einer Sonne! Eine Krone auf dem Haupte des Zaddik. Nicht durchbrochen ist sie, die goldene Kette, nein . . .

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