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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 7 · p. 331

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 7
Article
Die goldene Kette
Date
1918-01-01
Page
331 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Die goldene Kette 331 des Hauses sprechen von ihm mit einem verhaltenen Groll. Zwei neue Personen treten auf: Jonatan und Leah. In Jonatan zeigt uns der Dichter ein atavistisches Erwachen der früheren starken Glaubensinstinkte, aber dieses Erwachen erfolgt unter krankhaften Zuckungen eines bereits erlahmten Geistes. Jonatan zeigt alle Symptome einer hysterischen Gemütsveranlagung und seine ekstatischen Ergüsse entbehren jenes kräftigen Ungestüms, das seinen großen Ahn zu den flammenden Protesten trieb. Seine Schwester Leah gehört zu den feinsten und edelsten Gestalten von Perez. Ihr ursprünglich gesundes Wesen verrät ebenfalls einen Zug ins Ekstatische und Visionäre, aber ihr Denken und Fühlen bewegt sich in einer ganz anderen Richtung. Wie in allen chassidischen Häusern, wo die Mädchen einer bei weitem größeren Freiheit als die Knaben genießen, hat sich auch in diesem Hause die Tochter des Rabbi Mose die landläufigen Ideen einer vornehmlich aufklärerischen Periode rasch zu eigen gemacht. Und sie gibt sich ihnen mit der ganzen Glut ihrer expansiven Natur, mit der ganzen Inbrunst ihrer .glaubenshungrigen Seele hin. Die Verkörperung ihrer Ideale findet sie, wie üblich, in dem philiströsen Arzte Bergmann, den sie übrigens trotz dem heftigen Widerstand ihrer Angehörigen für die erkrankte Mutter bestellt Natürlich verachtet sie den finstern Aberglauben, der im Hause ihrer Eltern herrscht, und strebt nach „Licht und Bildung*'. Leah: Willenlose Menschen, in Schatten getaucht, in Nebel verstrickt, erstarrt in Schrecken und Qual. Und dort! Ein Himmel — frei, von freundlichem Lächeln umflossen, die Erde — jung, erstrahlend, offen! Jonatan: .. . verleugnet den Himmel, nur Sterne sind da, eine Art von Erden . .. Und keine Wunder . . . Und kein Gebet kann helfen .. . Nur Gesetz ... Bei alledem will sie gern und mit Interesse zuhören, als der visionäre Jonatan sich anschickt, seinen Traum zu erzählen: Leah: Erzähle nur deine Träume, armer Bruder . .. Es weicht von dir die schwere Wolke des Großvaters, wenn du erzählst ... du erzählst so schön . .. Es folgt die Erzählung Jonatans, wie er im Himmel war, ganze Schwärme von Tauben ihn umschwirrten, mit ihren Schwingen sein Gesicht streiften und sich ihm vertrauensvoll auf Hand und Schulter setzten, wie er plötzlich von zwei Gestalten, einer männlichen und einer weiblichen, überrascht wurde, von denen die letztere ein Messer in Händen trug, das sie auf Befehl des Mannes über die Tauben schwang und sie hinschlachtete:

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