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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 7 · p. 330

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 7
Article
Die goldene Kette
Date
1918-01-01
Page
330 (sequence 8)
Language
German
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330 Rafael Seligmann: zerstörenden Tendenzen, und auch der Sabbat hat ursprünglich eine rein aufbauende Bedeutung. Die Verewigung des Sabbats scheint jedenfalls mit dem Gedanken der Zerstörung nicht harmonieren zu wollen. Das ist ganz gewiß ein Riß durch das so fest und schön gefügte Gebäude des traditionellen Judentums, aber ein Riß, der für eine vorwiegend ethisch orientierte Auffassung unvermeidlich wird. Man kann sich schließlich mit einer ungerechten Welt abfinden, aber das gekränkte Gewissen wird trotzdem deren Vernichtung im stillen wünschen und fordern. Der Kampf gegen Gott oder die Weltordnung tritt schon hier und da bei den Propheten und ganz besonders im Buche Hiob deutlich hervor. Die spätere Gnosis vollends wirft dem , Judengott" förmlich den Handschuh hin, der „Judengott", der von ihr sogenannte „Jaldabaot" ist ihr der Schöpfer und Erhalter einer moralisch minderwertigen Weltordnung, die es zu zerstören gilt. Die von der heiligen Schrift als böse und verwerflich hingestellten Personen, wie Kain, Cham, Korah u. a. sind ihr echte Revolutionäre des Geistes, die im ungleichen aber gerechten Kampfe unterliegen. Das Pharisäertum und dessen Erbe, der Ijiabbinismus, haben diese Gegensätze zu verwischen gesucht. Die monistisch angelegte Kabbala, die einen Dualismus zwischen einem guten und bösen Geiste nicht anerkennt, konnte für diesen Kampf zwar ebenso wenig einen Ausdruck finden — aber der Gedanke der Erlösung, der Erlösung der Einzelseele, der sich in ihr mächtig regt, mußte sie für derartige Tendenzen sehr empfänglich machen. Und in der Tat zeigt der in kabbalistischen Gedankengängen wurzelnde Chassidismus eine gewisse Nervosität in diesem Punkte. Wir sehen ihn in beständiger Sorge um die Erhaltung einer freudigen und gehobenen Stimmung, in beständiger Angst vor der Verzweiflung, die sich Gott behüte einer unglücklichen Seele bemächtigen könnte. Die Erziehung zur Freude ist ihm eine der ernstesten Angelegenheiten und wird fast zu einem religiösen Gebote erhoben. Wenn nun Rabbi Salomo den Gedanken der Erlösung an den Sabbat knüpft, so ist es ganz gewiß nicht der Sabbat in seiner gewöhnlichen Bedeutung als siebenter Tag der Woche. Es ist dies der Sabbat der Kabbala, für die er das Abbild der Vollkommenheit, das Symbol der Aussöhnung der Seele mit sich und der Welt bedeutet. Und diese Aussöhnung müßte und sollte gegebenenfalls um den Preis der Zerstörung der gewöhnlichen Weltordnung erkauft werden. Rabbi Salomo erstrebt das Wunder in einer Zeit, die auf Wunder und Zeichen nicht mehr eingestellt ist. Der Zauber erstirbt unter dem nüchternen Eingreifen des Rabbi Pinchas, der einen positiven Sinn zeigt. Der Aufzug endet gewissermaßen mit einer Dissonanz, die das Interesse des Lesers und Zuschauers für die weitere Entwicklung des Dramas abschwächen muß. Der Leser oder Zuschauer, der sieht, wie die goldene Kette bereits am Schlüsse des ersten Aktes auseinanderfällt, wird dem Kommenden gegenüber etwas gleichgültiger. Äußerlich bringt der zweite Aufzug keine große Veränderung. Dasselbe Zimmer, aber ohne die frühere reiche Ausstattung und ohne jenes stumme Leben, das die Dinjge eines Wohnraumes vermöge des in ihm waltenden Geistes ausströmen. Die gealterte und kränkliche Miriam sitzt in der Ecke zusammengekauert und beobachtet mit traurigen Blicken, wie der Kronleuchter, das Symbol des häuslichen Friedens, auf Befehl des Rabbi Pinchas heruntergenommen und entfernt wird. Um diesen dreht sich jetzt das Gespräch der handelnden Personen. Rabbi Pinchas führt ein strenges Regiment, er ist hart und unnachsichtig und scheint in allem das Gegenteil seines großen Vaters zu sein. Die Angehörigen

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