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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 7 · p. 327

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 7
Article
Die goldene Kette
Date
1918-01-01
Page
327 (sequence 5)
Language
German
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Die goldene Kette sollten: die Person des Vermittlers zwischen Mensch und Gott in der Gestalt des Zaddiks und die Auffassung von der Freude als dem verborgenen Ziel des Daseins. Mancher Leser wird vielleicht bei all diesen philosophischen Erwägungen den Kopf schütteln und sich fragen, was eigentlich dies alles mit dem zu behandelnden Kunstwerke zu schaffen habe. Und doch sind diese Streifzüge in das Gebiet der Religionsphilosophie für das Verständnis des Dramas unerläßlich. Wir haben es hier mit einem eminent philosophischen Kunstwerk zu tun und die Betrachtungen des Dichters sind durchweg von einem Geiste metaphysischer Spekulation getragen. Diese Betrachtungen drehen sich um drei Kernfragen: die Erlösung, das Wunder und die wissenschaftliche Denkweise. Zum Vorwurf für seine Ideen nimmt der Dichter eine ehrwürdige chassidische Familie, die zur Zeit der Handlung sich an einem fatalen Wendepunkt ihrer Geschichte befindet. In der Familie sind vier Generationen vertreten: der Ahn der Familie, der greise Rabbi Salomo, sein Sohn Rabbi Pinchas, sein Enkel Rabbi Mose samt dessen Frau Miriam und seine Urenkel Jonatan und Leah. Diese Generationen bewegen sich in absteigender Linie vor unseren Augen. Der greise Rabbi Salomo ist noch voller unverwüstlicher Glaubenskraft und felsenfesten Vertrauens in die wunderwirkende Macht des Zaddiks; sein Gesichtskreis ist weltumspannend und seine Aspirationen unermeßlich. Nicht so weit reichen die Pläne seines Sohnes Pinchas, dessen Phantasie minder beschwingt ist und dessen Wille sich in einem engeren Umkreise bewegt, aber es steht noch völlig in sich gefestigt da. Dessen Sohn Mose hingegen zeigt bereits ein etwas unsicheres Wesen, und Moses Tochter Leah ist ganz den Einflüssen einer neuen Epoche verfallen und kehrt allen chassidischen wie jüdischen Traditionen überhaupt den Rücken. Nur in Jonatan macht sich eine atavistische Rückkehr zum Wunderglauben bemerkbar; in seiner Seele zuckt es bisweilen gewitterhaft auf, und sein Geist schwingt sich mitunter zu mächtiger Ekstase empor. Bei alledem jedoch ist es nicht mehr die kerngesunde, glaubensstarke Natur seiner Väter, die aus all diesen Kundgebungen zu uns spricht. Er bleibt im Grunde seines Wesens ein krankhaftes, hysterisches Naturell. Es sind die Reflexe eines untergehenden Lichts, die vor unseren Augen aufblitzen. ,. Die Handlung spielt sich im Hause der vorgeführten Familie ab. Der Dichter führt uns in das Wohnzimmer der Miriam, der Frau Rabbi Moses. Alles darin deutet auf den ernsten und zugleich zarten Sinn seiner Bewohnerin hin. Manche Einzelheiten haben offenbar eine symbolische Bedeutung. Der prachtvolle Kronleuchter erklingt melodisch bei jedem Schritt und unterstreicht die friedliche Stimmung, die im Saale herrscht. Es ist Winterabenddämmerung am Ausgange des Sabbats. Ein bläulicher Abglanz schimmert von draußen in das Innere hinein. Wie es in chassidischen Häusern Sitte ist, gehen ältere und jüngere Chassidim ein und aus. Greise Männer kommen und sprechen in geheimnisvoller Weise von der Wirtin des Hauses und teilen sich gegenseitig deren halluzinatorische Aussprüche mit. Alles atmet nahendes Unheil. Der Form nach scheint hier der Dichter unter dem starken Einfluß Maeterlincks gestanden zu haben. Das Kommende wird durch Andeutungen, Anspielungen und leicht hingeworfene Bemerkungen vorbereitet. Aber die Art und Weise der Vorbereitung ist von der Maeterlinckschen Manier himmelweit entfernt. Maeterlinck führt den Leser und Zuschauer in leisen, fast unmerklichen Übergängen und Abstufungen zum eigentlichen Kern der dramatischen Handlung hin. Aus scheinbar banalen

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