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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 7 · p. 311

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 7
Article
Vom ostjüdischen Handel
Date
1918-01-01
Page
311 (sequence 7)
Language
German
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Vom ostjüdischen Handel 3". ihnen allein zu. In der Gewinnung des innerrussischen Marktes waren die Juden bis in die letzten Jahre mit beispielloser Zähigkeit und Rührigkeit und unvergleichlichem Erfotg tätig. Hier war ein Gebiet, auf dem die spezifisch jüdischen Wirtschaftstugenden sich voll und ungehemmt bewähren konnten. Hier sind auch die Juden ziemlich ohne Konkurrenz; den jüdischen Kommissionär und Handlungsreisenden macht niemand nach. Mit der Mustertasche in der Hand, oft ohne Wohnrecht, durchstreift er die entlegensten Gebiete und Ortschaften Sibiriens und des Kaukasus, den staunenden Eingeborenen seine eigens den Ansprüchen und der Zahlungsfähigkeit dieser fernen Kundschaft vortrefflich angepaßten billigen Massenartikel anpreisend. Unter halbwilden Völkerschaften des Uralgebietes und des kaukasischen Berglandes, wo selbst der russische Büttel das Gruseln lernt, findet er mühelos seinen Weg, sich überall Wertschätzung und Sympathien erwerbend. Die ausgesprochen judenfreundliche Haltung des innerrussischen Bauerntums ist nicht zuletzt auf die Tätigkeit dieser jüdischen Pioniere zurückzuführen, sind sie doch allzu häufig die ersten und einzigen Juden, die der innerrussische Mensch überhaupt zu Gesicht bekommt. Ausgangspunkte des jüdischen Manufakturhandels sind Lodz und Bialystok einerseits und Moskau anderseits. Große Fortschritte in der Gewinnung des tiefrussischen Absatzgebietes wurden namentlich in den letzten Jahren durch die Herstellung billiger Massenartikel erreicht In den letzten Jahren war auch eine steigende Zuwanderung von Juden in das Turkestaner Baumwollgebiet zu bemerken. Eine Reihe jüdischer Firmen betrieb den Einkauf von Baumwolle und deren Ablieferung an Lodzer und Moskauer Firmen. Für die Charakterisierung eines Warenumsatzes als Groß- oder Kleinhandel ist der Umstand maßgebend, ob der Verkauf an Verbraucher oder an wirtschaftliche Unternehmer (Wiederverkäufer, Industrie) erfolgt. Da diese beiden Arten des Warenabsatzes sehr häufig Hand in Hand zusammengehen, ist eine Auseinanderhaltung von Groß- und Kleinhandel in den statistischen Ermittlungen kaum durchführbar. Und doch: entfällt auch im Westen die bei weitem überwiegende Mehrzahl der im Handel Beschäftigten — wohl neun Zehntel — auf den Kleinhandel, so ist es in den östlichen Verhältnissen in ganz besonderem Maße der Fall. Von so umwälzender, schöpferischer Bedeutung der jüdische Großhandel für die gesamtrussische Wirtschaftsentwicklung war, im eigentlichen Wirtschaftsleben der jüdischen Millionenmassen hat er eine sehr untergeordnete Rolle gespielt. Auf den Kleinhandel in allen seinen Formen kommt es hier bei einer Erörterung der Gesamtlage des ostjüdischen Wirtschaftlebens überhaupt und der ostjüdischen Handelstätigkeit insbesondre im wesentlichen an. Es gilt über die Gesamtlage des jüdischen Kleinhandels im Osten nach zwei Richtungen hin Klarheit zu gewinnen: der ökonomischen und der sozialen. Denn die ganze unvergleichbare Eigenart der Bedingungen, in denen dieser wichtigste Zweig wirtschaftlicher Betätigung im Ostjudentum sich befindet, tritt nicht allein in der Sphäre des rein Wirtschaftlichen, sondern in noch stärkerem und entscheidenderem Maße auf sozialem und kulturellem Gebiet in die Erscheinung. Diesen Umstand muß man sich immer gegenwärtig halten, will man ein ganzes, organisch gewachsenes Stück Wirklichkeit und nicht bloß einen Ausschnitt, ein Fragment erfassen. Die Gefahr, die dem Urteil durch Einseitigkeit droht, ist nirgends bedenklicher als bei der Betrachtung der mannigfachen Erscheinungen

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