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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 6 · p. 283

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 6
Article
Vom lebendigen Hebräisch
Date
1918-01-01
Page
283 (sequence 7)
Language
German
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Vom lebendigen Hebräisch 283 Begriffe leicht ein gangbares Wort festgesetzt Für soziale Einrichtungen und Institutionen hat sich im Leben leicht eine Terminologie gebildet. Während wir immer die Gefühlsnuance eines jeden hebräischen .Wortes je nach seiner Quelle in Bibel oder Talmud fühlen, liegen für die palästinensische Jugend alle hebräischen Worte in einer Gefühlslage. Es läßt sich noch nicht abschätzen, was das für die Entwicklung der Sprache zu bedeuten hat. Dagegen ist ein großer Zuwachs an Lebensgefühlen und an individuellen Assoziationen, der den hebräischen Wörtern aus der Natur und dem Erleben erwächst, gewiß ein Zuwachs an Sprachleben. Von nicht geringem Einfluß auf die Eigenarten der Umgangssprache ist gewiß die Tatsache, daß hier der Sprachtätigkeit in viel größerem Maße als bei der Schriftsprache eine „innere" Sprache entspricht. Nicht nur die jüngere Generation, auch die Älteren denken hebräisch nach einer längeren Zeit des Hebräischsprechens. Im Sprechen tritt das viel schneller, wenn auch gradweise ein, als im bloß schriftlichen Verkehr. Diejenigen, welche noch den Übergang zur hebräischen Umgangssprache in künstlicher Weise vorgenommen haben, können durch Selbstbeobachtung feststellet, inwieweit sie auch hebräisch denken. Immer wird man sich noch leichtlich dabei ertappen, daß bei jedem schweren, verworrenen Gedankengang eine andere Sprache sich geltend macht und am Ringen um den Ausdruck teilnimmt, aber schon wird man finden, daß beim Gebrauch einer anderen Sprache das Hebräische mit dabei ist und ein hebräischer Ausdruck sich einstellt und später sogar Ungelegenheiten bereitet, indem er das Finden des adäquaten fremden Wortes erschwert. Noch träumt man nachts in der Kindheitssprache, aber schon sehr bald waltet das Hebräische auch im Traum. Nach einigen Jahren steten Gebrauchs des Hebräischen im sprachlichen Umgang weiß man, daß man hebräisch denkt, nicht weniger als jeder moderne vielsprachige Mensch in seiner Sprache. Das Seelenleben der Jungen, denen Hebräisch wirklich Muttersprache ist, die in ihren ersten Lebensjahren keine andere Sprache gesprochen haben, ist gewiß hebräisch, sie denken und fühlen hebräisch. Zusammenfassend können wir sagen, daß die hebräische Umgangssprache bei gewissen Volksgruppen in Palästina in einer inneren Sprache verwurzelt ist. III. Es ist viel erreicht worden, aber noch ist der Prozeß der Verlebendigung der hebräischen Sprache nicht auf der Höhe des zu Leistenden und zu Erreichenden. Noch ist die Zahl der hebräisch sprechenden Gemeinschaft in Palästina nicht groß genug und noch sind die Aufgaben, welche die Renaissance der hebräischen Sprache uns stellt, nicht erfüllt. Die wichtigste Aufgabe war das Schaffen von Bedingungen für eine innere Sprache, die das Substrat des gesamten Sprachlebens der zukünftigen Entwicklung werden soll. Die Folgerichtigkeit, die Bedeutung, die Fruchtbarkeit der Entwicklung hängt vom Substrat ab. Hier soll aber das Leben einer reichen alten Schriftsprache zur Gänze in die innere Sprache eingehen, mit allen Feinheiten des Sprachbaus. Allen grammatischen Kategorien sollen psychologische Kategorien entsprechen. Mangelnde psychologische Sprachkategorien werden leicht Sprachformen aus der Sprache verschwinden lassen und innere Verarmung der hebräischen Sprache herbeiführen. Diese innere Sprache muß nicht nur in ihren Wörtern, sondern auch in ihrem Geiste hebräisch sein. Die psychischen Proportionengruppen müssen so organisiert sein, daß die Satzfolge von Natur

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