Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Vom lebendigen Hebräisch
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 280 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
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280 £. M. Lipschütz: bräisches Gymnasium in Jaffa, Hebräisches Gymnasium in Jerusalem, Eveline de Rothschild-Schule, Tachkemoni-Schule Jerusalem, Tachkemoni-Cheder Jaffa, Schule Doresch Zion, Mädchenschulen der Freien Vereinigung). Einige gesamtpalästinensische Lehrerkonferenzen und der „Waad Halaschon" haben auf Grund gründlicher Referate von David Jellin Beschlüsse über alle Einzelheiten der Aussprache gefaßt. Immer größere Annäherung an den schriftlichen Bestand im Vokalismus tut wohl not und wird eine Kultur der Aussprache erzeugen, welche von nicht geringer Wichtigkeit für den ästhetischen Eindruck einer Sprache ist. Sehr streng muß man sich gegen die Bestrebungen einiger galiläischer Lehrer verwahren, welche auf Grund der Aussprachen von Aleppo die Einheitlichkeit der Aussprache stören. Wir sahen eben, wieviel die Sprachrenaissance in Palästina schon antraf, woran sie anknüpfen könnte. Die nationale Bewegung und die neue Palästina- Kolonisation brachten das Vorhandene in Fluß. Hier waren die Verhältnisse für eine wirkliche Verlebendigung des Hebräischen nun doch ganz anders gelegen, als in der Diaspora. Das wichtigste Moment war wohl, daß hier in Palästina keine andere der hebräischen Sprache kulturellen Widerstand leisten konnte. Hier war auch keine Sprache von einer Regierungsgewalt mit Offizialität ausgestattet, hier lebten wir ja auch unter uns, wie ja die Kolonisation ein geschlossenes System bildet, und konnten so die hebräische Sprache zur Herrschaft unter uns bringen. Hier konnte sie durchaus die Sprache unserer Kultur sein, hier konnte sie die offizielle Sprache unserer Ämter und Institute werden. Getragen wurde sie von diesen unseren Institutionen, unserer Bewegung, unseremRenaissancewillen. Hier auf eigenem Boden hatten wir das Gefühl, daß unsere Bestrebungen auf eigene Sprache berechtigt seien, und das gab der Sprachbewegung Kraft. Wir können heute zurückblickend sagen, daß in einer Periode von etwas mehr als 30 Jahren das Hebräische in Palästina zur Umgangssprache geworden ist und so auch den letzten Beweis seines Lebens erbracht hat. Es ist jedenfalls über das Stadium unverwirklichten Strebens hinaus, es befindet sich bereits in den Formen natürlichen Wachstums aus eigener Kraft, dem wir völlig vertrauen können. Der stärkste Faktor zur Verlebendigung der hebräischen Sprache war und ist die Schule. Gleich am Anfange aller Kolonisation wurde — wie es scheint, zuerst von Pines — der Gedanke der hebräischen Unterrichts- und Umgangssprache ausgesprochen, einige Lehrer in Jaffa und den Kolonien verwirklichten den Gedanken in der Schule, Ben Jehuda entwickelte eine eifervolle Propaganda für die hebräische Umgangssprache. Die größte Kraftaufwendung aller Schulen galt der Renaissance der hebräischen Sprache. Ein Netz von Kindergärten, das sich über das ganze Land ausbreitet, hat in Palästina hauptsächlich die Verbreitung des Hebräischen zur Aufgabe. Auch die Volks- und Bürgerschule sieht die Verlebendigung der Sprache als eines ihrer wichtigsten Lehrziele an. Die Mittelschulen konzentrierten ihr Streben darauf, die hebräische Unterichtssprache voll durchzuführen, besonders die realistischen Fächer ganz in ihr zu betreiben; zugleich war man hier das erste Mal vor die Aufgabe gestellt, das wiederbelebte Hebräisch erwachsenen Schülern wissenschaftlich zu übermitteln. Dem Schulwesen haften gewiß mancherlei Mängel an, die ihm wohl auch als einem völlig neuen Werk anhaften müssen, der Mangel an Schulbüchern, Mängel in der Organisation, aber ihre Leistungen für die Verlebendigung der hebräischen Sprache