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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 6 · p. 279

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 6
Article
Vom lebendigen Hebräisch
Date
1918-01-01
Page
279 (sequence 3)
Language
German
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Vom lebendigen Hebräisch 279 gangssprache mußte eine Einheitsaussprache haben. In Sprachen, deren Dialekte nicht so stark voneinander geschieden sind wie die Aussprachen des Hebräischen, ist eine Einheitsaussprache für die Gebildeten zur Geltung gekommen. (Für das Deutsche die Aussprache der Bühne.) Dazu kommt noch in Betracht, daß die Aussprachen des Hebräischen in Palästina nicht örtlich getrennt, sondern in denselben Orten durchmischt sind. Dieser Umstand hat schon vor der neuen Bewegung jenen Zwischenstämmmekreis gezwungen, die sefardische als Einheitsaussprache zu wählen. Die neue Sprachbewegung in Palästina mußte unter den Aussprachen Wahl treffen. Mancherlei Gründe sprachen für die sefardische Aussprache. Die Grammatik hat diese Aussprache zur Grundlage, wenn dies auch nur vielleicht darauf beruht, daß die Begründer der hebräischen Grammatik Sefardim waren und die modernen Semitologen auch sich der sefardischen Aussprache bedienten. Diese war schon die Gemeinaussprache der europäischen Universitäten und der an ihnen betriebenen Wissenschaft vom Hebräischen, was nicht verfehlen konnte, autoritativen Eindruck zu machen. Die Transkription hebräischer Worte in Septuaginta und Josephus und ebenso die Transkription griechischer und lateinischer Lehnwörter in Mischna und Talmud setzt diese Aussprache voraus, was beides für deren Historizität spricht. Es werden aber wohl nicht all diese Gründe gewesen sein, welche für die Annahme dieser Aussprache entschieden haben, vielmehr hat, wie es scheint, ohne viel Erwägungen die Entwicklung dahin gedrängt. Erstens hat jener hebräisch sprechende Kreis bereits gewählt und wirkte auf die so von selbst sich einstellende Entscheidung, und dann mochten auch die schon früher bestehenden Schulen (Alliance israelite, Lämmelschule, Doresch Zion) eingewirkt haben; diese wurden nur von Kindern orientalischer Juden besucht, und in ihnen herrschte die sefardische Aussprache, welche ja die Aussprache der Alteingesessenen, während die askenasische die der Zugewanderten war. Heute ist die Rezeption der sefardischen Aussprache in Palästina durchgeführt, sie ist die Gemeinaussprache der hebräischen Umgangssprache, die Aussprache der Gebildeten, ja aller hebräisch Sprechenden. Die Askenasim bedienen sich ebenfalls ihrer, wenn sie hebräisch sprechen. Diese Normalaussprache ist im Vokalismus, im ganzen der alten Aussprache der Sefardim in Jerusalem gleich. Sie gleicht ihr wohl auch im Konsonantismus, aber die semitischen Kehllaute sind trotz der Bemühungen Einzelner geschwunden, und es wird auch wohl so bleiben. Die Akzentuierung ist etwas stärker als bei den Sefardim, der Wortton etwas mehr hervorgehoben. Die moderne hebräische Schule, welche schon nach Rezeption dieser Aussprache entstand, hat dieselbe vollends zur Herrschaft gebracht. Sie ist in allen Schulen eingeführt (hebräische Schulen der Zionisten, Schulen der Chowewe Zion, Kolonieschulen, Ica-Schulen, Hilfsvereins-Schulen, Alliance-Schulen, Henische. Zwischen der sefardischen und askenasischen Aussprache ist das Kamee wichtigstes Unterscheidungsmoment (a. o. u.). Cadi wird in der heutigen Normalaussprache nicht wie das arabische Cad ausgesprochen, sondern gleich dem deutschen z. JLanges e (Cere) wird gedehnter als bei Sefardim ausgesprochen, etwa gleich deutschem gedehnten e. Vergleiche: Zichronot Waad halaschon II. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die Transkription hebräischer Wörter in diesem Artikel der sefardischen Aussprache folgt, ohne wissenschaftliche Genauigkeit und Konsequenz zu erstreben. Heft 6. 21

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