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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 6 · p. 259

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 6
Article
Das Interesse der deutschen Sozialisten am Zionismus
Date
1918-01-01
Page
259 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Das Interesse der deutschen Sozialisten am Zionismus 259 scheinen zu lassen, so daß man zu dem Urteil berechtigt ist, daß, wenn die Wiederherstellung einer in ihrer national-kulturellen Autonomie öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte des Judentums in Palästina nicht zustande kommt, dann der Türkei ein schwerer Schaden zugefügt wird. Zwar gibt es im Türkischen Reich leider auch heute noch Elemente genug, die das nicht einsehn wollen; das sind eben jene türkischen Großgrundbesitzer, die durch die Entstehung eines neuen sogenannten „Fremdvolkes" in ihrem Machtbezirk eine weitre Herabmindrung des Gewichts der türkischen Nationalität unter den vielen Völkern befürchten, die das Ottomanische Reich bewohnen. Dazu gehören weiter alle jenen arabisch-syrischen Stämme, die sich von den türkischen Agitatoren in die Befürchtung haben hineinhetzen lassen, daß die Juden ihnen ihr Land, ihren Grund und Boden fortnehmen wollten. In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß zwar die türkischen Großgrundbesitzer bei dieser Einwandrung schlecht wegkommen, und daß es deshalb ganz begreiflich ist, daß sie sich mit Händen und Füßen aus Klasseninstinkt dagegen sträuben. Bei den Arabern aber wird nur ein ganz kleiner Teil des Volks, nämlich diejenigen arabischen Horden, die als Nomaden in Palästina umherziehn und eine schwere Landplage bilden, von der jüdischen Einwanderung wirklich in schädlichem Sinn betroffen; der übrige weit überwiegende Teil auch der arabischen Bevölkerung Palästinas und Syriens kann aber von der Ausdehnung der landwirtschaftlichen Fläche durch Anlegung umfangreichster jüdischer Kolonien und von der damit verknüpften Verbesserung der Verkehrs- und Bewässerungseinrichtungen nur einen gewaltigen Vorteil haben, und ebenso steht es mit den Massen des türkischen Volks; auch sie können dem Eingreifen zahlreicher jüdischer Elemente in die orientalische Wirtschaftsentwicklung, objektiv betrachtet, nur mit Hoffnung entgegensehen; winkt ihnen doch daraus nichts Geringres, als eine ganz starke Beihilfe in ihrem Kampf gegen die Klassenherrschaft der alttürkischen Großgrundbesitzer. V. Wie also mit dem wirtschaftlichen Heil des Ottomanischen Reichs die jüdische Einwandrung nach Palästina auf das engste verknüpft ist, so ist auch das deutsche Volk, zumal das deutsche Proletariat, wie in allen Fragen, die das Wohl der Türkei betreffen, so auch in dieser mit der jüdischen Einwandrung das engste verbunden. Wir haben seit langer Zeit (aus Gründen, die in der geographischen Gestaltung der Erdoberfläche, in der Verteilung von Land und Wasser, von Ebene und Gebirge, Feld und Wald beschlossen sind) unsre Zukunftshoffnung politisch und wirtschaftlich auf eine Entwicklung eingestellt, die darauf hinausläuft, daß das Türkische Reich mit den mitteleuropäischen Mächten und mit den an uns links und recht« auf dem Festland angrenzenden europäischen Staaten zu einer starken wirtschaftlichen Einheit verschmilzt. Dazu gehört nun aber mehr, als gute politische Beziehungen von Volk zu Volk; dazu gehört auch, daß die einzelnen Glieder dieses europäisch-asiatischen Völkerbunds lebenskräftig und stark sind, daß ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten vollkommen erschlossen und vollkommen ausgenutzt werden. Bisher ist innerhalb dieses Bunds das Türkische Reich noch ein sehr kleiner Aktivposten, denn die meisten seiner beträchtlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten sind noch gar nicht erschlossen; die Erze liegen noch ungehoben im Boden, die Wasserkräfte stürzen noch, ohne einen elektrischen Strom umgesetzt zu werden, zu Tal, das Petroleum wird erst in Mengen gewonnen,

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